Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 24

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 24 (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421006--1964-2423052
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

24 I. Etwas über Glauben und Beten. nahen dürfen; eitles Bemühen, die Gränze zu ziehen! Hätte die blinde Verfolgungswuth von Außen, ganz unabhängig von allen Bewegungen im Innern, nicht Alles erschüttert: dieser Kampf, heißer als irgend einer der neueren Zeit, hätte, wie er einerseits zu keiner Trennung geführt, andererseits eine edle Erhebung des Judenthums bewirkt, die uns heute der Nothwendigkeit überheben würde, über die minutiösesten Dinge einen neuen Kampf zu beginnen. Und in dem letzten halben Jahrhundert, überhaupt in dem Zeitabschnitte von Mendelssohn an, erstarkte, erfrischte sich das Judenthum und ward zur fördernden Macht für die Zukunft, mehr als in all den Jahrhunderten, da es in den Jeschibahs — friedlich dahinsiechte. Der Kampf ward entschieden geführt, oft mit äußerster Rücksichtslosigkeit, und war dennoch fruchtbar. Der Hamburger Tempel trat mit kühnen Anschauungen und Anforderungen auf, unternahm deren unzweideutige Ausführung, ohne zu fragen, ob seine Anforderungen bereits allgemeine Zustimmung erlangt haben, ja mit dem Bewußtsein, daß das Gegentheil der Fall sei; die ganze Orthodoxie — eine Halbheitstheologie gab es damals kaum noch — trat in dichten Schaaren, mit voller Waffenrüstung gegen ihn auf, die Schläge waren wuchtig, das Drohwort des Ketzerthums ward schneidend ausgesprochen. Dennoch entstand keine ״wirkliche confessionelle Spaltung". Vielmehr breitete sich die vom Tempel gegebene Anregung weithin aus, und während er selbst, überwunden von der wiffenschaftlichen Vertiefung, später zur Unbedeutendheit herabgesunken sein mag, wurde sein Streben zum Gemeingute, zehrt an seinen Resultaten auch die Vermittlung. Heiß entbrannte später wieder der Kampf, in Hellen Haufen standen sich scharf die Parteien einander gegenüber, als das unerhörte Wagniß geschah, daß im Schooße des Rabbinerthums selbst der Fortschritt seine Vertretung fand, der Aufruf zur kühnsten und gründlichsten Prüfung des Ueberkommenen gerade von dorther ertönte, wo bisher der Stillstand gebieterisch' waltete. Welche wilde Jagd ward da nicht gegen die Frevler unternommen! Die Einen wollten sie zerschmettern, die Andern, die auch heute noch ihre Jugendliebe nicht vergeffen können, bewerfen sie, nach pöbelhafter Gassenjungenart, mit Straßenkoth. Die Hetze brachte nicht zur Trennung, sie führte zum Siege des Fortschrittes, zur allgemeinen Betheiligung an den Jntereffen des Judenthums, zu einer wahren Verjüngung desselben. Hätten sie geschwiegen, die wackern Männer, der drohende und schon

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.