Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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20 i. Etwas über Glauben und Beten- Moses gesprochen, deßgleichen zu allen Propheten, wenn auch in minderer Klarheit: das ist Offenbarung, das ist Prophetie, alle Umdeutung ist Läugnung, alle sogenannte Vergeistigung ist Verflachung, Verwischung der Thatsache. Hr. vr. I. mag viel dagegen zu erwidern haben, auch vom geschichtlichen Standpunkte aus, aber der Orthodoxe wird Recht behalten, wenn er eine Thatsache verlangt, eine faßbare, nicht in Hauch sich verflüchtigende, sobald man ihm überhaupt das Recht der Gränzeziehung, der Prüfung des ״Glaubensbestandes" zugesteht und nicht die volle ganze Freiheit wahrt. Und wie diese vorsichtige Verschweigung, so nützt ihm auch die anderer Dogmen nicht, die er, wie oben bemerkt, überhaupt mit Stillschweigen übergeht. Aus der Anzahl der ״Glaubensvorstellungen" sei nur die eine hervorgehoben, weil sie auch eine so recht greifbare Thatsache ist und schon zum Schiboleth einer wirklichen confessionellen Spaltung gedient hat, nämlich die Lehre von der leiblichen Auferstehung. Daran hat nach ehemals vollzogener Scheidung scheinbar Niemand gerüttelt, Keiner seinen Un glauben bekannt, Keiner eine Vergeistigung unternommen, und hatte Jemand einmal einen schüchternen Versuch gewagt, wie z. B. Maimonides, so hat er sich dann bald dem Sturm gegenüber vorsichtig zurückgezogen. Die Lehre von der leiblichen Auferstehung gehört zur Ausfüllung der sinnlichen Messiaslehre; zur Zeit der Restauration, so war die allgemein adoptirte Lehre, stehen auch die Todten wieder auf, dieselben verstorbenen Menschen, wie sie in ihrem frühe-" ren Dasein gewesen, mit allen ihren körperlichen Gebrechen. Das ist eine Thatsache der Zukunft, aber eine Thatsache, die einem jeden Individuum sehr wichtig sein muß, die auch durch frühere Todtenerweckungen bezeugt ist als Thatsache der Vergangenheit — wie sie auch zum Kern- und Sternpunkte des Christenthums geworden. Die Pharisäer haben in der Läugnung dieses Glaubens von Seiten der Sadducäer die vollgültige Veranlassung gefunden, diese als Ketzer zu erklären, die Mischnah stellt als unbestreitbare Behauptung auf, daß wer da sagt, die Auferstehung der Todten sei nicht jüdische Lehre, der habe keinen Antheil an der kommenden Welt. Also ein Dogma in seiner ausgeprägtesten Consequenz, in seiner üppigsten Fülle, mit der daraus hervorgehenden Spaltung, mit seinem anathema sit, kurz mit allen nöthigen Requisiten. Und wenn nun dennoch dieser sinnliche, ^widerspruchsvolle Glaube Wankend geworden, von jeden» Denkenden, sicher selbst von den An-