Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16 I. Etwas über Glauben und Beten. diesen Vorstellungen zum wahren Ausdruck zu verhelfen. Wenn dann abweichende Ansichten vorhanden sind, dann müssen die Geister auf einander Platzen, müssen dogmatische Streitigkeiten entstehen, allen schreckhaften Gemüthern zum Trotze, werden entstehen zur Erfrischung des Judenthums und nimmermehr zu seiner Schädigung. Denn ist denn wirklich zu besorgen, es werde aus diesen Strei- Ligkeiten eine eonfessionelle Spaltung des Judenthums hervorgehen? Freilich mit Sicherheit, wenn die starre Orthodoxie so an Macht und Anzahl gewinnt, daß sie alle Andersdenkenden und -Lhuenden auszuschließen oder mindestens sich von ihnen loszusagen vermag, wird namentlich dahin kommen, wenn die Vermittelungstheologie mit dem Gelüste nach einer wenn auch gelinderen dogmatischen Fixirung durchdringt, wenn sie einen Jeden, der nach Abwiegung seines ״Glaubensbestandes" als etwas zu leicht befunden wird, als außerhalb des Judenthums stehend erklärte, wird dahin kommen trotz all ihren zahmen Zugeständnissen nach Rechts oder vielmehr gerade wegen derselben, trotz allen künstlichen Unterschiebungen und trotz vorsichtigen Verschweigungen. Ja, trotz allen zahmen Zugeständnissen nach Rechts! Denn wahrlich es ist schon weit gekommen, wenn das Urtheil über die Dignität der Opfer ״nun einmal" zum Dogma erhoben wird; da könnte mit weit größerem Rechte die Existenz der Dämonen, ihre Gefährlichkeit auf Weg und Steg, ihr böser Einfluß, der durch Amuleie, namentlich in den Stuben der Wöchnerinnen, abgewendet werden muß, könnte mit gleichem Rechte das Urtheil über Priesterheiligkeit und deren erhaltene Trimmer, mit größerem das Urtheil über die ״Dignität" der Schlachtregeln, kurz über die verpflichtende Kraft, über den weihenden Einfluß aller Satzungen u. s. w. u. s. w. zu Dogmen erhoben werden. Hrn. Dr. I. ist freilich die Dignität der Opfer besonders wichtig, weil er die Erinnerung daran in den Gebeten festgehalten wissen will, er muß deshalb dieselbe zu einem Dogma stempeln, was von den andern Dingen weniger gilt. Aber was hat sein Belieben mit der Auswahl der Dogmen zu thun, und wohin kommt man auf dieser abschüssigen Bahn? Solche Zugeständnisse nach Rechts führen immer zu engerer Beschränkung , sie gerade führen allein nothwendig zu einer Spaltung trotz allen versuchten künstlichen Unterschiebungen. Denn eine Unterschiebung ist es, wenn Hr. Dr. I. dann sich und seine Leser über die Gefahr des Schisma wieder beruhigend,