Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 15 Dogmatische Streitigkeiten und bfe Gefahr eines Schisma. Jedoch Hr. vr. I. fährt nach seiner Weise mit bedenklicher Miene fort: dogmatische Streitigkeiten — und zu ihnen müssen wir doch nun einmal selbst den Streit über die Dignität der Opfer rechnen — können entweder zu einer wirklichen confessionellen Spaltung des Judenthums führen. Dazu drängen die Extreme, ja die äußerste Orthodoxie hat dessen nicht einmal ein Hehl. Kein Besonnener wird darin etwas Anderes als etwas tief Beklagenswerthes erkennen. Abgesehen von den traurigen Folgen, die für eine ihre concentrirende Kraft brauchende Religionsgesellschaft daraus resultiren, ist sie auch religiös nicht berechtigt. Denn ein jeder kundige Jude weiß es, daß er nach jüdischen Grundsätzen nicht berechtigt ist, denjenigen als nicht zum Judenthum angehörig anzusehen, der nicht glaubt, daß die Religion der Zukunft noch das Opfer haben werde, oder der die messianische Idee anders auffaßt als er. So Herr vr. I., indem er und wir folgen ihm darin — die andere Seite der Betrachtung, das ״Oder" noch verschiebt. Genug, der Schreckschuß ist gefallen, freilich, wie in der ganzen Schrift, mit gemildetem Tone, die dämpfende Consequenz ist gezogen, aber mit aller der Unklarheit, mit der verschweigenden Vorsicht, die sich selbst aufhebt. Also dogmatische Streitigkeiten sind höchst gefährlich, von ihnen droht die unglückselige Folge einer wirklichen eonfessionellen Spaltung des Judenthums; diese Gefahr muß mit entschiedenem Ernste bei all unserm Thun vor unfern Augen stehen, der bösartige Charakter, welchen Streitigkeiten dogmatischer Natur annehmen, die traurigen Folgen, welche sie begleiten, müssen uns daher erinnern, daß wir sie vermeiden. Aber, fragen wir, wie sind denn dogmatische Streitigkeiten zu umgehen, wenn es eben, und zwar zum Heile für das Judenthum, zur dogmatischen Fixirung nicht gekommen ist? Ist den Geistern freie Bahn gegeben, dann werden sie sich, ihrer berechtigten Anlage gemäß, auf derselben je nach ihren Antrieben und Erkenntnissen bewegen; sind die Glaubensvorstellungen nicht dogmatisch fixirt, so werden die verschiedenen Geistesrichtungen, wenn sie es ernst und ehrlich meinen, verlangen, daß ihre redlich errungene Auffaffung derselben zur Anerkennung gelange, sie werden, sie müssen mit allen Kräften bemüht sein,