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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 12

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 12 (sequence 15)
Language
German
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12 I. Etwas über Glauben und Beten. nimmermehr sind hier Spuren von einer besonders ״bewegten Geschichte." Vielmehr war und blieb dieser Glaube das tiefste Sehnen, der vollste Gemüthsinhalt der Zeit. Keiner der kühnsten mittelalterlichen Denker rührte an ihm wie etwa an dem Gottesbegriffe, an Offenbarung und Prophetie, sie ließen ihn in seiner sinnlichsten Gestalt bestehen, ein persönlicher Messias aus Davids Stamm wird, von Gott gesandt, als Befreier der Juden erscheinen, sie sammeln aus ihrer Zerstreuung, in Palästina den Staat errichten, in Jerusalem wird der Tempel erbaut und der Opferdienst wieder hergestellt. Darall wird Nichts gedeutelt, Nichts vergeistigt, Nichts verflüchtigt. Und diese Hoffnung und Sehnsucht hallte in allen Gottes- Häusern wieder, ist stark und mit tiefer Empfindung in allen Gebeten ausgedrückt und sie fand den tiefsten Anklang in allen Herzen. Wenn die Vermittelungs-Theologie dessen heute nicht Wort haben will, nicht auch hier auffordert zur Prüfung des Glaubensbestandes, nicht auch hier zitternd Halt zuruft: so ist es, weil sie es weiß, daß trotz der frühern Einstimmigkeit die Juden der Gegenwart, mit Ausnahme einiger Thoren und Schwärmer, diese Sehnsucht nicht mehr empfinden, sich im Bewußtsein ihrer vollen geistigen Eingelebtheit in das gegenwärtige Vaterland, in der vollen Theilnähme an dessen realen Bestrebungen, in dem Ansprüche auf ungeschmälerte Rechtsgleichheit, sich mit aller Entschiedenheit gegen das Nähren solcher chimärischer Hoffnungen wehren. Sie weiß es, daß das Festhalten an dieser Messiaslehre nicht blos eine Lüge ist, sondern den allseitigsten Protest Hervorrufen würde, daß die Behauptung, man werde einst wieder den Gottesdienst mit dem Blute der Böcke und Stiere begehen, als höherer Blödsinn mit verächtlichem Lächeln begrüßt würde. Daraus nun sollte sie lernen, daß es mit dem Gränzeziehen ein höchst bedenklich Ding ist, selbst bei Glaubensvorstellungen, die niemals auch nur in Frage gestellt worden, daß es vielmehr eine wahre Lebensfrage für uns ist, uns den großen Segen der freien Bewegung zu bewahren, welche dem Judenthume bis hierher geblieben. Es mag nun hierbei unentschieden bleiben, ob dieses hohe Gut, welches wir nun einmal besitzen, untrennbar mit dem Wesen des Judenthums verknüpft ist, mit seiner idealen Geistigkeit, welche die Fesseln sprengt, die man irgend zu löthen sucht, oder ob es eine Folge der Ohnmacht seiner Bekenner, namentlich seiner Häupter, des Druckes und der Zerstreuung ist, der es zu einem bindenden

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