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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 11

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 11 (sequence 14)
Language
German
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Zu Schutz und Trutz. 11 Truggestalten verleitend. Bleibt unter dieser verschiedenen Auffassung die ״Thatsache" wirklich dieselbe? Wohl, daß das Judenthum als eine neue religiöse Geistesmacht in die Weltgeschichte eingetreten; allein wer diese Thatsache bestreitet, der stellt sich nicht außerhalb des Judenthums,. er stellt sich überhaupt außerhalballer die Geschichte denkend Erfassenden. Aber ein Kriterium seines mit der Gesammtheit übereinstimmenden ״Glaubensbestandes" kann darin nicht gefunden werden. So taugen denn die schmalen Beispiele, welche uns Herr Di׳. I. zum näheren Verständnisse seiner Behauptung giebt, sehr wenig zu ihrem Zwecke; diese Lehren waren nicht in bestimmteren, faßbareren Formen zur Geltung gelangt als ״die Messiasidee, die Idee der Sühnung durch Opfer", die angeblich ״eine bewegtere Geschichte" gehabt haben sollen. Was nämlich die Stellung des prophetischen Judenthums zu allen diesen ״Glaubensvorstellungen", namentlich zu der der Sühnung durch Opfer betrifft, darauf werden wir noch kommen; aber in dem Judenthum vom zweiten Tempel an standen sie gerade als Faßbares und zu Erwartendes bis zur neueren Zeit so unerschütterlich fest, daß auch nicht der entfernteste Versuch gemacht wurde sie umzugestalten, ja daß der Ausdruck dieses Glaubens weit allgemeiner zugestanden wurde. Ich weiß Wohl, daß ein R Hillel, ein sonst ganz unbekannter und nicht mit seinem großen Namensverwandten zu verwechselnder Mann, einmal den Ausspruch gethan, sei es in der Laune einer seltsamen Deutungssucht, oder in einer Anwandlung gänzlicher Verzweiflung an der Zukunft Israels, dasselbe habe gar keinen Messias, der sei von ihm schon in den Tagen Hiskia's aufgezehrt worden. Allein diese vereinzelte Stimme ist ganz spurlos verhallt, man hat es nicht der Mühe Werth gefunden ihn ernstlich zu bestreiten, man rief ihm nur ein verächtliches ״Gott verzeihs ihm!" nach. Ich weiß auch, daß Joseph Albo sich dagegen gestemmt hat, in der Messiaslehre einen Cardinalpunkt zu erblicken, mit dem das Judenthum stehe und falle; er that Dies in der Hitze des Kampfes, die Zudringlichkeit des Christenthums abzuwehren, er schlug damit dem Christianismus, dem Dies Angel- und Mittelpunkt ist, um den der ganze Glaube sich dreht, geradezu ins Angesicht. Aber er war weit entfernt davon, den Glauben selbst aufzugeben. In solchen vereinzelten Aeußerungen zeigt sich die Freiheit des Judenthums, das sich auch von dem Allgemeingiltigsten nicht binden läßt, aber

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