Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 9 durch ihre beliebig gesteckten Schranken nur die Erstarrung herbeiführen können. Also es ist in Wahrheit zum Heile für das Judenthum, daß es in ihm nicht zur dogmatischen Fixirung irgend eines, und sei es auch des unzweifelhaftesten und unbezweifeltsten Gedankens gekommen ist, zum wahren Heile des Judenthums, daß der einzelne Jude oder der jüdische Theologe nicht ״seinen Glaubensbestand" an dem Glaubensbestande der Gesammtheit zu messen hat und danach seine Angehörigkeit zu beurtheilen ist, sondern daß lediglich der Maßstab ist, inwiefern er sich selbst als mit der Judenheit noch eng verbunden erachtet, auch bei der Abweichung in wesentlichen Fragen von der herkömmlichen und noch geltenden Auffassung sich im innigen Zusammenhange mit dem in der Judenheit herrschenden Geiste weiß. Von dieser Weitherzigkeit droht dem Judenthum nicht etwa eine Gefahr; es hat im Gegentheile das lebendige Vertrauen zu seiner eigenen Kraft, daß es das Fremdartige schon geistig aussondern, die Verkehrung wieder ebnen wird. Es geht nicht angstlich zu Werke, um sein eigenes Gebiet sich zu sichern, es umfaßt muthig Alle, die sich ihm nicht mit voller Absichtlichkeit entziehen, in der frohen Gewißheit, sie nicht etwa gewaltsam zu anneetiren, sondern sie innerlich mit sich zu vereinigen. Also weg mit jenem Versuche, Gränzen zu ziehen, die niemals als unverrückt gegolten und die nur das Grab des Judenthums würden, während die volle, ganze Freiheit sein Leben ist, wie sie es gewesen. Denn es ist wahr, es ist nicht zur dogmatischen Fixirung irgend eines Glaubenssatzes gekommen, und es hat dies dem Judenthum zum Heile gereicht. Die Kabbalah schien in Gott eine Zehn- Persönlichkeit, ja auch bei einigen ihrer einflußreichen Vertreter eine Dreipersönlichkeit 'aufstellen zu wollen; sie ward bekämpft und über- Wunden, aber die eiserne Fessel des Dogma hatte sie nicht gehemmt. Und wiederum behaupten die Einen, die'jüdische Lehre von der Gotteseinheit involvire seine Gestaltlosigkeit, seine Unkörperlichkeit, und wer diese nicht annimmt, so stellt Maimonides in seinem philosophischen Dogmatismus auf, ist kein Jude, ist ein Ketzer. Wie, herrscht ihm Abrüham ben David zu, der wäre ein Ketzer? Bessere Männer als der da haben an׳ die Körperlichkeit Gottes geglaubt. Die Synagoge hat sich sicher zur geistigen Auffassung erhoben, aber sie. hat wahrlich A. b. D. nicht ausgeschlossen. Also selbst in