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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 1 (1869) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
1 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 8 (sequence 11)
Language
German
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8 I. Etwas über Glauben und Beten. ist gerade mit neuen, die ganze Gedanken- und Empfindungswelt umgestaltenden Ideen in die Geschichte eingetreten und hat dieselben zu aller Zeit als sein heiliges Gut vertreten, mit allen Opfern geschützt. Aber diese Ideen haben eben das Charakteristische jenes ächten unverwüstlichen Menschheitsbesitzes, daß sie ein volles geistiges Leben in sich tragen, daß sie zu umfassend sind, als daß sie in knappe Worte geprägt werden könnten, daß sie in dem Fortschritte und dem Wechsel der Menschheit sich mit ihr verjüngen, Formen und Gepräge umwandeln und dennoch dieselben bleiben, sich unter allen Umständen als innerlich fortwirkendes Lebenselement bewähren, wenn sie auch als ein Fluidum zu keinem Stillstände gelangen. Gerade dies ist ihre Geistesmacht, daß sie nicht abgeschloffen und erschöpft werden können, daß sie nach vorangegangener Verkennung, nach scheinbarer Verwischung leuchtend und siegreich wieder hervortreten, weil sie dennoch im Innern unbewußt wirksam waren. So schien es nicht selten, als wollte das innerste Wesen des Judenthums erstickt, seine heiligsten grundlegendsten Gedanken alterirt werden, und es hat sich dennoch darüber erhoben. Das thalmudische Uebergewicht drohte die Geistesmacht des Judenthums unter einem Haufen von Satzungen zu begraben, und es hat sich dennoch seinen religiösen und ethischen Gehalt, seine ideale Freiheit bewahrt; die eine lange Zeit herrschende Kabbalah hat die Grundlagen bis zur Tiefe aufgewühlt, hat die Gotteseinheitlehre schwer bedroht und vermochte dennoch nicht, seine klare Reinheit dauernd zu trüben. Ja, es gehört mit zum Wesen des Judenthums, daß es die schärfsten Gegensätze in sich duldet, ich möchte fast sagen, daß es sie in sich nährt in der Vielgestaltigkeit des Gedankenlebens. Danken wir es der dialektischen Schärfe des Thalmudismus, der phantastischen Vertiefung der Kabbalah, daß sie die Geistesfrische erhalten haben; seien wir aber auch der freisinnigen Theologie dankbar, daß sie unermüdlich forschend und nachgrabend den trägen Abschluß verhindert. Sollte sie hie und da, ja sollte sie gar in ihrem ganzen Bemühen irren, so wird ihre Anregung immer fruchtbar, belebend, heilsam sein; wir müßten uns, nach einem bekannten Worte, eine solche Opposition gegen das Bestehende erkaufen, wenn sie nicht vorhanden wäre. Was an ihr hinfällig ist, wird innerlich durch die Kraft des Judenthums überwunden, ihre Erfrischung aber bleibt zum dauernden Heile, während die ruheselige Vermittelungs- Theologie, die verdammungs- und ausscheidungssüchtige Orthodoxie

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