Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 7 stehung, תחיית הנלתיס, die sehr entschieden im Gebete zum Ausdrucke kam, Nichts von der Engellehre, die, abgesehen von späteren kabbalistischen Ausschweifungen, in alten Grundgebeten sich sehr detaillirt über die brennenden (Seraphim), die Räder (Ofannim), die heiligen Thiere (Chajoth Ha-Kodesch) ergeht, Nichts von dem Glauben an die mannichfachen Wunder, der so reichlich im Gebete hervortritt, und wenn wir cs ehrlich gestehen wollen, so ist die ״Thatsache" eines zu erwartenden persönlichen Messias, der Sammlung der Juden in Palästina, des Wiederaufbau's Jerusalems, der Restauration des Opferdienstes als gewisse Hoffnung der Zukunft bis zur neuern Zeit nicht Von ferne in Frage gestellt worden und sie haben einen breiteren und sehnsüchtigeren Ausdruck in der Liturgie gefunden als irgend eine andere ״Glaubensvorstellung". Sie haben als Thalsache der Zukunft, als zuversichtlichst genährte Hoffnung auch durchaus keine bewegtere Geschichte als die Thatsache der Vergangenheit, die Offenbarung und Prophetie. Hr. vr. I. erwähnt nun alle diese und andere ״Glaubensvorstellungen" nicht, und dies dürfte in dem von ihm betonten Umstände seine Begründung finden, ״daß es — allerdings zum Heile für das Judenthum — zu keiner Zeit zu einer von allen als endgültig anerkannten dogmatischen Fixirung aller Glaubenssätze gekommen." Also — Dogmen ohne dogmatische Fixirung, Begriffe ohne begriffliche Bestimmtheit, das heißt eben — Nichts. Und das, nach Hrn. vr. I., zum Heile für das Judenthum. Sätze, die so oder so gewendet, dem Einen dies, dem Andern ganz Abweichendes aussagen können, sie sollen ״als feststehend gelten" müssen, ohne sie ״kann keine positive Religion zu Stande kommen". Wenn aber wirklich der Bestand der Religion von der Anerkennung dieser Dogmen abhängt, wie kann diese Nebelhaftigkeit ״zum Heile für das Judenthum" sein? Hier eben liegt der Grund der ganzen Begriffsverwirrung. Es war freilich ein sehr unglücklicher Gedanke Mendelssohn's, daß er den Satz aufstellte, das Judenthum enthalte keine Lehrwahrheilen, sondern lediglich Gesetze, Satzungen; er war bereit, sich diesen in ihrer ganzen herkömmlichen Härte und äußerlichen Vertrocknung zu fügen, wenn man ihm nur seine Denkfrciheit nicht verwehrte. Das war ein Todesurtheil für das Judenthum, das er zu einem Knochengerüste ohne belebende Seele erklärte. Aber es war zugleich eine grundfalsche Auffassung; denn das Judenthum