Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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6 I. EiwaS,über Glauben und Beten. bei der Gesammtheit Geltung erlangt haben, sind Dogmen, Glaubenssätze des Judenthums, und wer sich nicht zu ihnen bekennt, der steht eben außerhalb des Judenthums. Was kann seine Auffassung entscheiden? Sie ist einmal nicht die allgemein geltende. Er mag ein tüchtiger Denker, ein tiefblickender Geschichtsforscher sein, was soll ihm das armselige Judenthum, da er doch darüber hinaus ist? Er überlasse es denen, die daran ihr Behagen finden, sich innerhalb seiner engen Gränzen zu bewegen, die sich mit Ent- Äußerung ihres besseren Selbst diese Gränzen gefallen lassen; er selbst bleibe fern. Also nicht die eigene wohlerwogene, durch die mühsamsten Studien errungene Ueberzeugung von dem was Judenthum ist oder nicht ist, kann Hrn. vr. I. genügen; als richtiger Maßstab darf vielmehr nach ihm nur angelegt werden, was in der ganzen Judenheit allgemeine Geltung erlangt hat. Die Synagoge hat, sagt er, eine Anzahl ihrer Zeit von der ganzen Judenheit anerkannter Glaubenssätze gehabt; die Schrift und das spätere religiöse Schriftenthum ist eine gewisse Gränze für die Beliebigkeit, so daß z. B. entschieden Schriftwidriges, ihrem Geiste wie ihrem Buchstaben notorisch Widersprechendes nicht als wirkliche Entwickelung jüdischer Vorstellungen betrachtet werden kann. Nicht blos die monotheistische Vorstellung von der Gottheit, sondern auch die Thatsache der Offenbarung und Prophetie sind solche ״Glaubensvorstellungen", die niemals auch nur in Frage gestellt wurden. Der Philosoph mag sich alle diese ״Vorstellungen" aus ihrer niedrigen Stufe zu Begriffen erheben, sie damit auflösen, sie im Schmelztiegel des Gedankenprozesses ziemlich verflüchtigen; aber er darf sie als jüdischer Theologe nicht in Abrede stellen, es sind eben einmal Dogmen, innerhalb deren er sich bewegen muß. Es wäre nun das Kürzeste und Sicherste gewesen, wenn uns Hr. vr. I. mit schlichten aber bestimmten Worten diese unantastbaren Dogmen zusammengestellt hätte, so daß wir nun wüßten: hier Jude, dort Nichtjude.' Das unterläßt er; von der ganzen Anzahl anerkannter Glaubenssätze, die die Synagoge auch im Cultus zur Ausprägung gebracht, hören wir höchstens etwas von der ״Thatsache" der Offenbarung, während selbst die Ideen des Messias, der Sühnung durch Opfer, ״eine bewegtere Geschichte" haben. Wir erfahren nicht einmal von dem Dogma der leiblichen Außer-