Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4 I. Etwas über Glauben und Beten. überschreiten; doch nicht also der Theologe. — Also dem Menschen kann, darf keine Gränze gesteckt werden; ihm ist die freieste Forschung gestaltet, der Geist kann nicht beengt werden. Aber der jüdische Theologe muß bei gewissen Punkten Halt machen. — Und warum nur er, warum nicht jeder Jude, warum nicht namentlich Diejenigen, welche zur Verwaltung einer jüdischen Gemeinde berufen sind? Ist das Judenthum wirklich, wie es nach Hrn. Dr. I. den Anschein gewinnt, eine durch Vertrag gegründete Genossenschaft, so ist nur Derjenige deren Mitglied, welcher die Bedingungen des Verträges hält, aber vertragsbrüchig, damit selbstverständlich aus der Genossenschaft herausgetreten, wenn er eine dieser Bedingungen anzweifelt, für ungültig erklärt. Meint Hr. Dr. I. es so, so spreche er es offen aus! Wohlan, er erkläre, daß eine unendlich große Zahl von Mitgliedern der Judenheit derselben nicht mehr angehört, die Verwaltungs- Mitglieder, zumal der größeren Gemeinden, ihrer Mehrzahl nach eigentlich ausgestoßen werden müßten; er Pflege doch frisch und fröhlich den fruchtbaren Keim zu dem herrlichen Baume, welchen ein Theil des ungarischen Congresses offen und muthig zu pflanzen unternehmen mochte, nur denjenigen als zur Mitgliedschaft einer Gemeinde berechtigt zu erklären, der treu an dem Schulchan-Aruch festhält. Ein wirklich nicht beneidenswerthes Resultat philosophischtheologischer Forschung. Doch halten wir uns an den jüdischen Theologen! Für ihn ist eine Schranke vorhanden, bei deren Ueberschreitung er sich aufrichtig sagen muß, er stehe nunmehr außerhalb des Judenthums. Freilich, wenn er selbst von dieser Ueberzeugung durchdrungen ist, wenn der Mensch und der Theologe in ihm in vollem Gegensätze sich befinden, dann muß, dann wird er sich Dies sagen. Wenn der theologische Forscher zu erkennen glaubt, in gewissen Vorstellungen und Sätzen liege das Grundwesen, die unabwendbare Auflage des Judenthums, er selbst sich aber gegen die Wahrheit dieser Vorstellungen, die Verbindlichkeit dieser Satzungen auflehnt, so fehlt ihm der innere Beruf zur jüdischen Theologie. Lehrt er dennoch als beamteter Theologe, was er innerlich für unwahr hält, so ist er ein feiler Lügner, ein gemeiner Heuchler. Aber die fr eisinniaen Tbeologen kann dieser Vorwurf wahrlich nicht treffen. Sie UKt;un uni allen. Ernste Vorstellungen ab, die noch vielfach Herrschen, sie erklären Satzungen als antiquirt, als ungültig, wenn sie auch von Vielen als verbindlich festgehalten werden, sie scheuen