Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Schutz und Trutz. 3 die theologische Forschung — und das ist ihr gutes Recht — sich aufs neue dieser Punkte bemächtigt und sie hat sie wissenschaftlich zum Austrag zu bringen. Wie steht es nun um die Berechtigung, diese neue Phase des Judenthums im Cultus auszuprägen?" Diese unbestimmt gefaßten und einander aufhebenden Aussprüche bilden den Schluß und zugleich die Exemplifizirung für einige früher aufgestellte Behauptungen. Hr. Dr. Joel hatte sich nämlich früher dahin ausgesprochen: Das Judenthum, wie jede positive Religion, hat gewisse Dogmen, die ihm als feststehend gelten und mit deren Läugnung das Mitglied desselben aufhört, sich zu ihm zu bekennen. ״Ohne irgend ein Dogma kann doch Wohl keine positive Religion zu Stande kommen (!)." Es ist — allerdings zum Heile für das Judenthum — zn keiner Zeit zu einer von Allen als endgültig anerkannten dogmatischen Fixirung aller Glaubenssätze gekommen. Dennoch hat die Synagoge eine Anzahl ihrer Zeit von der ganzen Judenheit anerkannter Glaubenssätze gehabt und im Cultus zur Ausprägung gebracht. Ferner ist die Schrift und das spätere religiöse Schriftthum, so verschieden auch die Glaubensvorstellungen sein mögen, die je nach dem Geiste, mit dem in ihr geforscht wird, dem Einen und dem Andern sich ergeben, eine gewisse Gränze für die Beliebigkeit, so daß z. B. entschieden und fraglos Schriftwidriges, ihrem Geiste wie ihrem Buchstaben notorisch Widersprechendes, nicht als wirkliche Entwickelung jüdischer Vorstellungen bezeichnet werden kann. Der freisinnige jüdische Theologe hat hier Halt zu machen und seinen eigenen Glaubensbestand zu prüfen. Er hat nicht eine Bewegung in's Schrankenlose frei. Es gibt für ihn einen Markstein, den er zwar als Mensch überschreiten darf, bei dessen Ueberschreitung er aber aufrichtig erklären muß: ״Jetzt befinde ich mich nicht mehr innerhalb, sondern außerhalb des Judenthums." Und nun kommt Hr. Dr. I. nach einem schielenden Beispiele aus der christlichen Welt auf die oben mitgetheilten Bestimmungen für das Judenthum. Man sieht, Hr. Dr. I. will eine theoretische Begründung für die Vermittlungs-Theologie aufrichten. Forschen darf der jüdische Theologe, ״er braucht nicht zu aeceptiren und kann nicht acceptiren jede crasfe Vorstellung über das Wesen des Judenthums, über seine Auffassung der Schrift, über seine Auffassung der Propheten u. s. w." Ja, als Mensch darf er einen jeden Markstein 1*