Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 1 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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2 1. Etwas über Glauben und Beten. verletzt durch Einmengung, nachdrückliches Hervorheben fremdartig gewordener, wenn auch ehedem noch so herrschend gewesener Ansichten, so kann dem Gottesdienste die Theilnahme nicht zugeführt werden, mögen auch einzelne an sich nicht werthlose Verbesserungen in demselben vorgenommen werden. Mit dem beliebten Verfahren, geschickt über schwierige Fragen hinwegzugleiten, durch zweideutige Aeußerungen eine bestimmte Erklärung zu vermeiden, die Frage zu verschleiern, ihre Beantwortung zu verschieben, um sie dann zu unterlassen, Vorurtheile, ängstliche Bedenken heraufzubeschwören, um die Wahrheit zu verdunkeln — mit solchen Versuchen mag man Wohl Feiglinge und Hohlköpfe schrecken, augenblicklich beschwichtigen, überreden, aber nimmermehr gelingt es damit, die Zeit zu einem höhern Schwünge zu erheben, ihr eine innige Theilnahme an dem religiösen Leben einzuflößen. Es thut mir leid, daß diese Künste in einer vor Kurzem erschienenen Brochüre des Hrn. Dr. M. Joel in Breslau: ״Zur Orientirung in der Cultusfrage" in unerwarteter Weise in Anwendung gebracht worden. Sie zeigt so recht das Bemühen, den Anforderungen unserer Zeit zu entgehen, ohne dieselben geradezu zu verläugnen. Um so passender nun läßt sich an ihr und ihr gegenüber das gute Recht unserer Zeit Nachweisen. Wir sehen von der Einleitung ab, die in ihren wenigen Sätzen nur längst Allbekanntes enthält und keine Anleitung zum ״gedanklichen Erfassen" des jüdischen Kultus giebt. Gehen wir vielmehr alsbald auf den Kern des Schriftchens ein. Dogmen. ״Das Judenthum" — sagt der Vers. S. 11 — ״hat Glaubensvorstellungen, die niemals auch nur in Frage gestellt wurden, es sei denn von Solchen, die sich direct von ihm lossagten. So nicht blos die monotheistische Vorstellung von der Gottheit, sondern auch die Thatsache der Prophetie und der Offenbarung, wenn auch in Bezug aus ihre Auffassung sich selbstverständlich die tieferen von den gewöhnlichern Geistern unterschieden. Andere wie die Messiasidee, die Idee der Sühnung durch Opfer, haben schon eine bewegtere Geschichte, die ich den Kundigen nicht vorzuführen brauche, der Nichtkundige mir auf's Wort glauben mag. Nichtsdestoweniger ist auch in Bezug auf sie die Synagoge zu einer bestimmten Auffassung gekommen, die sie denn auch im Cultus ausgeprägt. Heute hat