Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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304 . Aus Briefen. jedoch verwiesen ist, als besondere Werke und führt sie als solche auf! — Es dürste Sie kaum überraschen, daß dieser Rabbi zuweilen die einfachsten Dinge in diesem Buche falsch erklärt, Wohl aber daß er sich Ihrer Forschungen bedient, ohne Ihres Nansens zu gedenken. Anstatt לא בניו (Deut. 32, 5) möchte ich lesen: אל פניו; man hielt es aber für unziemlich Gotte gegenüber sagen zu lassen, sie hätten vor Gott ihren Fehl zum Verderben gebracht und änderte darum. Eine Andeutung der ursprünglichen Lesart scheint mir in den Worten des Abba Doresch (Sifre z. St.) zu liegen. [פניו als die ächte LA. zu vermuthen, scheint mir allerdings beachtenswerth, und die Deutung Abba's weist in der That darauf hin, doch halte ich es nicht für nöthig, לא zu ändern. Vielmehr bildet der Satz mit ihm gerade einen sehr gut an das Vorangegangene sich anschließenden Sinn. Nachdem vorher gesagt worden, Gott ist gerecht und in seiner Waltung kein Unrecht, fährt er fort: sich selbst verderbt, nicht Er (oder Sein, Gottes, Zorn), ihr Fehler, es ist ein krummes und gewundenes Geschlecht. Nicht dem gerechten Gotte dürft ihr euere Bedrängniß als eine unverdiente, daher ungerechte Züchtigung zuschreiben, sie ist vielmehr Folge eures sündhaften Wandels, also gerechte Vergeltung. G.^ Von Prof. vr. Chwolson, Oranienbaum b. Petersburg, 29. Juni. Es muß mit dem sogenannten masoretischen Text gründlich aufgeräumt werden. Dieser ist übrigens nicht mehr verderbt als die Texte der meisten classischen Schriftsteller, aber wahrscheinlich auch nicht weniger. Und wie haben da die Philologen aufgeräumt! Der bekannte classische Philolog Akademiker Nauck theilte mir merkwürdige, ich möchte fast sagen, haarsträubende Beispiele mit von Texteorruptelen bei classischen Schriftstellern, und nicht etwa bei obseuren, sondern bei den Tragikern, bei Homer u. s. w. Und diese Verderbtheit reicht zum Theil bis auf die Alexandriner. Am Schlimmsten, sagte er mir, steht es mit den Stellen, welche diese oder die Byzantiner corrumpirt gefunden und falsch verbessert haben, so daß es jetzt fast unmöglich ist, die ursprüngliche Lesart herauszufinden. Hier ein ähnliches Beispiel aus dem Pentateuch: Num. 26, 3. וידבר .... אותם ist ein Unsinn, aber dieser Fehler ist alt; es muß heißen ויפקד . . . אתם, nachdem aber statt dieses וידבר sich eingeschlichen hatte, fügte man am Ende des Verses ein לאבלר hinzu, so daß man an ein mögliches ויפקד gar nicht denken