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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 301

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 301 (sequence 61)
Language
German
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Aus Briefen. 301 Im 5. Buche Mosis, Cap. 16. V. 3, wird das ungesäuerte Brod mit dem Epitheton לחם עני, das Brod des Elends bezeichnet. Wo jedoch in der Schrift sonst das Wort!מצד vorkömmt — die Stellen, wo das ungesäuerte Brod beim Opferdienst angeordnet wird, wollen wir hier nicht in Betracht ziehen — kann es jedoch nicht in dem Sinne als das ״elende" Brod aufgefaßt werden, öot bäckt für die Gäste, die ihn besuchen, Mazzoth, und es kann doch nicht angenommen werden, daß er seinen Gästen vorsätzlich schlechte Speisen reichen wollte. Die Hexe zu En vor bäckt für Saul, der sich von einer Ohnmacht erholt hatte, Mazzoth. Auch in diesem Falle läßt sich nicht annehmen, daß dies ein schlechtes Brod war. Der Talmud, der die Schwierigkeit dieser Bezeichnung fühlt, sucht sie zu deuten und zwar werden zwei Ansichten ausgesprochen מפני פגחכל ערכין עליו und פרוסח עגל עכי. Man wird jedoch zugeben, daß diese Deutungen nicht das Richtige treffen. Die Bedeutung des Wortes עני ist auch in einer andern Stelle der Bibel schwierig. Josef nannte (Genesis 41, 51) seinen erstgebornen Sohn Menasche, ״denn vergessen ließ mich Gott meine Mühsal und das ganze Haus meines Vaters." Daraus ist zu entnehmen, daß Joses sich in seinem neuen Vaterlande, wo er einer der ersten Würdenträger des Reiches war, heimisch und Wohl fühlte. Den Namen des zweiten Sohnes nannte er jedoch Efraim, ״denn fruchtbar machte mich Gott בארץ עני״ im Lande meines Elends." Hier wird wieder Egypten das Land seines Elends genannt. Es ist offenbar, daß das Wort עני noch eine andere Bedeutung als Elend im gewöhnlichen Sinne des Wortes haben muß, wenn die oben citirten Stellen einen Sinn haben sollen. Es sei mir daher gestattet, eine Hypothese aufzustellen. Im Altdeutschen bezeichnet das Wort ״Elend" Unglück und Fremde oder Exil. In Wien gab es einen Platz, Elend, wo die Fremden, die auf der Donau ankamen, wohnten (heute giebt es noch Reste der Elendbastei). Im 14. Jahrhundert wohnten daselbst auch die Juden. In Augsburg ist jetzt noch ein Platz, genannt: ״Im Elend," wo im Mittelalter, als Augsburg eine große Handelsstadt war, die Fremden wohnten. Wenn nun angenommen werden könnte, daß im Hebräischen das Wort עני ebenfalls eine doppelte Bedeutung hat: Elend — Unglück und Fremde, so wären alle Schwierigkeiten gehoben, die

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