Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus Briefen. 299 schränkung nach Auswegen, welche bald mehr bald weniger erweitert werden. Dieser Standpunkt für die Behandlung religiöser Materien ist nicht der richtige, nicht im Geiste unsrer Tora und Geschichte. Die realen Beziehungen zu Palästina sind nicht mehr dieselben, wie zu Zeiten Akiba's und Bar Kochba's; schon unter den Baby- Ionischen Schulen wurden sie modifieirt und mit den Geonim haben sie ihren Abschluß gefunden. Was wir nachher noch von den Be- Ziehungen zu Palästina hören, ist kein Leben mehr, sondern sind nur nervöse Zuckungen. Was gar in der spätern Zeit bis auf unsere Tage Einzelne nach Palästina zieht, ist Pietät gegen das Land und die Geschichte der Väter, oder gar religiöse Schwärmerei dafür. Ein beschränktes Maß hiervon ist zuzugeben; im Weitern ist Palästina für uns nur Gegenstand geschichtlicher Erinnerung oder typisches Vorbild einer idealen Zukunft und Gedankenwelt, eine reale Bedeutung für die wirkliche Welt hat es nicht. Nennen wir auch Palästina Jsrael's Mutterland, so hat doch trotz aller Verehrung für die Mutter, welche uns geboren und erzogen, jedes Kind ein Recht der Selbständigkeit. Seitdem Israel Palästina, Vater- und Mutter-Haus, verlassen, in die Welt getreten und diesem seinem Weibe anhängt, sind die Beziehungen Jsrael's zu Palästina, seinem Elternhause, nicht gelöst, aber doch auf die der Venerabilität beschränkt; im Uebrigen ist die Führung seines selbständigen Lebens, zu welcher es ein Recht und die Pflicht hat, nicht davon abhängig. Somit genügt es nicht, für כדזוכור ,קרבן ,בכור und wie die nationalreligiösen Einrichtungen des alten Palästina heißen, wo sie in unsrer Zeit hinderlich sind, von der Hand des Talmuds geleitet, Auswege zu suchen und Modalitäten zu schaffen; wir müssen uns von dieser palästinensischen Abhängigkeit, welche wie ein drückender Alp auf unserm religiösen, politischen, gewerblichen und socialen Leben lastet, frei zu machen und eine selbständige Richtung zur Ordnung unsrer Cultus- und Lebensverhältnisse zu gewinnen suchen, vom Geiste, nicht von den Formen des traditionellen Judenthums geleitet. Von Hrn. Prof. Fleischer, Leipzig, 15. Juni. Zu Wolff's Berichtigungen (Ihre Ztschr. Jahrg. 6, Heft 1, S. 77—80) erlauben Sie mir zwei kleine Nachträge: S. 79 ist y^a<mJy wie im spätern Arabisch oft: Erwerbung von Wissen, Kenntniß und Einsicht, — hier natürlich von den Geboten und Verboten des göttlichen Gesetzes, als Grund der Verpflichtung zu