Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Reeeustonen. 287 schiedenen Ländergebieten und in kurz auf einander folgenden Zeiten niedergedrückt wurde; wenn schon die Beengung der äußern Lage mittelbar eine Störnng der geistigen Entwickelung bewirkte, so begnügte man sich nicht damit und legte auch im bangen Zittern vor jeder geistigen Erhebung, diesem selbst die mächtigsten Hindernisse in den Weg. Dieses Alles, das wir freilich schon kannten, lesen wir hier dicht zusammengestellt, und durch den uns eröffneten Einblick in die Begutachtungen und Bescheide der maßgebenden Behörden wird die ganze leitende Gesinnung in ihrer Erbärmlichkeit bloßgelegt» Wir hoffen, daß dieser Nachweis zur rechten Zeit kommt, um der bessern Einsicht, den gerechten Grundsätzen, welche in Oesterreich jetzt zur Geltung hindrängen, Nachdruck und dauernden Bestand zu verleihen. So oft ich jedoch diese Maßregeln und Aeußerungen, wie sie sich durch das ganze Mittelalter bis in unsere Tage hineinziehen, von christlichen Staatsmännern, hohen staatlichen und geistlichen Würdenträgern, Städten, Bürgerschaften, gelehrten und gewerblichen Kreisen lese, kann ich mich der Betrachtung nicht erwehren, welches Urtheil Wohl ein nichtchristlicher Herrscher über dieses Gebühren und über die, die sich dessen schuldig machen, fällen, und wie er, wenn er nicht von hoher gesunder Staats- Weisheit erfüllt wäre, mit ihnen Verfahren würde. Ich würde es nicht überraschend finden, wenn ein solcher sich zu dem Ausspruche gedrängt fühlte: ״Diese Menschen, die, an Stand und Einsicht so verschieden, nur darin ihren Einigungspunkt haben, daß sie sich Christen nennen, haben sich doch als erbärmliche Schächer benommen, welche gegen die Juden ihre Gewalt mißbrauchten und List anwendeten, um Geld von ihnen zu erpressen, waren tief unsittlich, indem sie Treue und Redlichkeit verspotteten, sobald ihre Gier oder ihr Vortheil im Spiele war, waren feige, indem sie die kleine Zahl der Juden fürchteten, von ihnen überall überflügelt zu werden besorgten, waren in dichtes Dunkel gehüllt, das sie veranlaßte, dem Geiste derer, über die sie willkürlich verfügten, jede edlere Nahrung zu entziehen. Verdienen sie nicht, nach der großen Schuld, die sie auf sich geladen, nach der untilgbaren Verderbtheit an Geist und Charakter, die sie offenbart, behandelt zu werden?" Ob eine Vertheidigung so leicht gelingen würde, weiß ich nicht; Gottlob, daß sie nicht nöthig ist und der durch die Geschichte siegend schreitende Geist der Veredlung — freilich erst allmälig