Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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IV. Zu L. Geiger's Ursprung der Sprache. 281 lichen Vermögen die Rede ist; allein diesen Unterschied auszudrücken hält er für ganz unnöthig, weil das Können blos die allgemeine Befähigung, die Abwesenheit entgegenstehender Hindernisse bezeichnen soll und es gleichgültig ist anzudeuten, welcher Art dieselben seien. Ein solches hier schärfere, dort minder scharfe Hervortreten der Unterscheidungen in der Sprache bezeichnet allerdings die Geistesrichtung der verschiedenen Völker, was dem einen lebendig, dem andern schwächer in den Vordergrund des Bewußtseins tritt, ohne daß diesem darum die Unterscheidungsfähigkkit abgesprochen werden könnte. Jedoch gehen wir zu unserer eigentlichen Aufgabe, dem Biblischen, über. Daß diesem der Unterschied zwischen Können und Dürfen fehlt, wird in Anm. 62 (S. 443) weiter ausgeführt. Dort heißt es: ״Jakol, einem gewachsen, etwas im Stande sein, vermögen, können; dürfen z. B. 1 M. 43, 32. 5 M. 12, 17, auch Klage!. 4, 14: ״woran sie nicht dürften, rühren sie mit ihren Gewändern" (nämlich die geblendeten Priester an Blut u. dgl.)." — Ich weiß nun nicht, ob dem Verf. hierbei der, von mir vor nun dreißig Jahren geschriebene Aufsatz über '10 ,לא מ1!כ Mol (Wissensch. Zeitschr. f. jüd. Theologie Bd. IV S. 19 ff.) gegenwärtig war und er im Sinne hatte, die dort gegebene Entwickelung abzuweisen, oder ob er ohne Bezug darauf seine Bemerkung niedergeschrieben. Jedenfalls verlangt dieselbe eine nähere Erläuterung nach der a. a. O. vorgenommenen Auseinandersetzung. Zuvörderst ist festzustellen, daß Können für Dürfen auch in der Bibel positiv niemals steht; das Können drückt auch im Biblischen die Abwesenheit eines jeden Hindernisses, nicht blos des moralischen, nicht blos eines bindenden Verbotes aus, was eben das Dürfen allein bezeichnet. Wenn es also heißt: ich kann Dies ausführen, so schließt Dies im Biblischen wie in allen Sprachen Wohl auch die Vorstellung ein, daß kein hindernder Zwang von Außen, kein Verbot im Wege steht, aber vorzugsweise, daß die Kraft dazu vorhanden ist, kein inneres Hinderniß abhält. Anders ist es mit dem Nicht können; dieses tritt ein, sobald nur irgend ein Hinderniß vorhanden ist, auch das Nichtdürfen genügt, um das Nichtkönnen zu bewirken, wenn auch sonst Vermögen dazu vorhanden ist. Jedoch muß im Zusammenhänge der Rede klar werden, daß das Nichtkönnen eben aus einem vorausgegangenen und unübertretbaren Verbote beruht, sonst würde leicht ein Mißverständniß eintreten und das Nichtkönnen auf ein Unvermögen bezogen werden. Nur in solchem motivirten Zusammen-