Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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280 IV. Zu L. Geigers Ursprung der Sprache. IV. Gemertrnngen aus und zu L Geig er's Such: ״Ursprung und Entwickelung -er menschlichen Sprache und Vernunft. (Fortsetzung). 2. Dürfen und Können. ,Mir finden zuweilen — sagt ,der Vrf. S. 213 f. — unsere eigene Sprache bei Vergleichung mit anderen theilweise mangelhaft, ohne daß wir doch jemals diesen Mangel gefühlt hatten: was wir nicht sagen konnten, war uns zu sagen niemals in den Sinn gekommen. . . Uns liegt es fern, den Unterschied zwischen can und may, savoir und pouvoir festzuhallen, den unsere Nachbarvölker machen; die Sprache der Bibel befindet sich gegen uns in Betreff der Begriffe dürfen und können in derselben Lage". Wenn wir auf die allgemeine Sprachauffassung und die daraus sich ergebende Vernunftentwickelung eingehn wollten, so hätten wir auch hier den gebrauchten Ausdruck und den daran sich knüpfenden Gedanken zu beschränken, näher zu erklären. Wir geben natürlich zu, daß der einen Sprache der präcise Ausdruck für gewisse untergeordnete Nüancirungen des Begriffes fehlt, für welche eine andere verschiedene Ausdrücke hat, daß sie sich mit der allgemeinen Bezeichnung begnügt, weil es eben im Zusammenhänge der Rede für die Absicht des Ausgesprochenen auf die feine Unterscheidung gar nicht ankommt. Co bedienen wir uns auch synonymer Ausdrücke, obgleich sie sich unterscheiden, wir sie in ihrer Unterschiedenheit besitzen und wo es darauf ankommt, auch blos den einen, der dann am rechten Platze ist, gebrauchen — dennoch sehr häufig ganz beliebig, weil uns der allgemeine durch beide bezeichnete Begriff hier ausreicht und das auszeichnende Merkmal nicht in Betracht kommt. So wählen wir ja manchmal sogar den Gattungsbegriff, wo eigentlich von einer Species die Rede ist, weil die genaue Angäbe gerade gleichgültig ist. Also die Unterscheidung wird oft nicht berücksichtigt, selbst wenn der Sprache der Ausdruck dafür nicht fehlt; ebenso nun hält es manche Sprache oft gar nicht für nothwendig, unterschiedene Ausdrücke für untergeordnete, eine ausdrückliche Hervorhebung nicht verlangende Begriffsnüancirungen zu schaffen, wenn auch die Vernunft dieselben Wohl erfasst. Der Deutsche weiß recht gut, daß wenn er sagt: ich kann französisch sprechen, hier von einer erworbenen geistigen Befähigung, nicht von einem körper-