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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 279

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 279 (sequence 39)
Language
German
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III. Die Krankenpflege bei Verl Juden. 279 Glaubensverwandte nicht aus. Die Juden waren!nun genöthigt, ja sind es zum großen Theile heutigen Tages noch, für ihre Armen und Kranken ohne Beihülfe des Staates und der Stadt, ohne reiche alte Fonds aus eignen Mitteln zu sorgen; sie haben sich dennoch, wo es verlangt wurde oder wo die Veranlassung dazu vorlag, immer bereit gezeigt, wie Wohlthätigkeit im Allgemeinen, so auch!die Aufnähme von Kranken jeden Glaubens in ihre Hospitäler auszuführen. Wenn Dies der Pathologe V. nicht weiß, so könnte er sich von dem Berliner Stadtverordneten und dem preußischen Landtagsabgeordneten V. darüber leicht belehren lassen. Und sollte man es wirklich erst belegen müssen, daß ״Krankenbesuch, Bickur Cholim" zu allen Zeiten als eine der ersten und dringendsten Liebespflichten unter den Juden galt? daß ״Krankenbesuch" nicht etwa heißt: einen ceremoniösen Besuch abstatten, sondern aegrotos visere (visitare), die Kranken pflegen? Unter den Dingen, welche ״unbegränzt" zu üben sind, die einen daurenden, diesseitigen und jenseitigen Lohn in sich tragen, zählt die Mischnah Peah 1, 1 die Uebung der Liebeswerke (Gemiluth Chaßadim); darunter sind, wie die jerus. Gemara erklärt, nicht Geldspenden zu verstehen, sondern gerade die persönliche Sorgfalt, und diese findet, wie die Baraitha's Schabbath 127a, Nedarim 39b ausdrücklich bemerken, ihre vorzügliche Anwendung bei ״Bickur Cholim". Diese Wohlthat wird an den genannten Stellen besonders gerühmt, und anderswo erfahren wir, daß die frommen ״städtischen Genossenschaften" (Cheber 'Ir), die sich unter den Pharisäern, mit vorzugsweise humanen Tendenzen gebildet, ״Bickur Cholim" unter andern frommen Werken zu ihrer Aufgabe gemacht haben (vergl. meine Urschrift S. 123). Der Name ״Chebrah, Genossenschaft" hat sich für die sich der Krankenpflege Befleißigenden, die Hospitäler Leitenden von jener Zeit an bis zum heutigen Tage erhalten. Die Mitglieder trugen schlechtweg den Namen ״Chabraja, Genossen", und man begegnet ihnen so in den Midraschim bei ihren Krankenbesuchen 1). Solche Männer erst vertheidigen zu müssen gegen V.'s Angriffe, das wäre seine eigene bessere Einsicht verleugnen. Absichtliche oder wirkliche Unwissenheit übergiebt man am Besten der Vergessenheit. 18. Aug. 1) Vergl. Bereschith rabba e. 13: אבינלי בלך חברידל דלוה בלבקר בישיא Abimai ״von den Genossen" besuchte einst Kranke u. s. w. Methanoth Khehunah z. St- Thossafoth Chullin 12b mißverstehen das Wort.

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