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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 278

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 278 (sequence 38)
Language
German
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278 HI. Die Krankenpflege bei den Juden. freigesinnte Männer können die tiefwurzelnde Engherzigkeit — die sich leider besonders unter den Deutschen findet — nicht überwältigen und lieben es, vom Standpunkte der Humanität (!) aus Worte des Hasses und der Geringschätzung auszustoßen. Es ist bedauerlich, daß auch ein Mann wie Virchow über diesen kleinlichen Sinn sich nicht zu erheben vermag, bedauerlich weniger für die Juden, da sie einen solchen Kothwurf leicht abschütteln, aber Wohl für V. selbst, der sich dadurch selbst der Befangenheit bezüchtigt. Die Thatsachen, in welchen diese enge Gesinnung sich bei ihm manifestirte, sind etwas verschoben', sie verstecken sich in mannichfache Schlupfwinkel, und es ist gut, daß sie sich verkriechen. Lassen wir es dabei, daß V. gegen die Anstellung Traube's als ordentlichen Professors nicht deshalb gestimmt, weil er Jude ist, die Annähme des vr. Aufrecht als Assistenten nicht deshalb verhindert, weil er Jude ist, sondern daß, wie er behauptet, ihn Motive anderer Art dabei geleitet. Seine eigne Wie seiner Freunde Vertheidigung (in der ״Zukunft") lassen das Vorurtheil durchblicken, und er selbst beruft sich darauf, daß er in einem 1866 im Handwerkervereine gehaltenen Vortrage Krankenpflege und Gründung von Hospitälern als Werke ausschließlich christlicher Liebe in Anspruch genommen hat; zur Bekräftigung dieser Behauptung spricht er nunmehr am Schlusie eines dieser häßlichen Angelegenheit gewidmeten Artikels (in seinem Archiv für pathologische Anatomie rc. XLIV, 1. S. 138 sf) von ״Grausamkeit und Härte der Juden". Daß V. sich solche vage Behauptungen und dann in gereizter Stimmung einen solchen leidenschaftlichen Ausbruch hat zu Schulden kommen lassen, thut mir wahrlich leid um ihn. Grausamkeit, Härte den Juden vorzuwerfen, weil sie zunächst für ihre Glaubensgenossen Hospitäler errichtet, heißt doch die Lächerlichkeit etwas über die erlaubten Gränzen Hinaustreiben. Diese Werke der Barmherzigkeit gingen zunächst von der Religion, der Confession, den Kirchen aus und waren überall auf die Glieder der religiösen Genossenschaft beschränkt. Erst später ist die Krankenpflege Sache der Communen geworden, und lange haben auch sie die Nichtchristen ausgeschlossen. In neuerer Zeit ist die Humanität, die unterschiedslose, in die Pforten dieser Stätten des Trostes eingezogen, wenn sich auch die Proselytenmacherei an deren Fersen gehängt hat. Die von der Kirche ausgehenden Institute sind zunächst confessionell geblieben, schließen aber doch jetzt auch fremde

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