Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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276 II Die zweite Tempelperiode. Luft in eine sinnbetäubende, zu wollüstigen Träumen anregende, Kraft auszehrende heiße Gegend versetzt wird. Und in der That, die Kritik ist auch bei den freisinnigen Theologen zaghaft, sie will nicht sehen, was doch dem nur einigermaßen Vorurtheilslosen offen daliegt. Es ist nicht meine Aufgabe und nicht meine Absicht, den sechsten Abschnitt des Hausrath'schen Buches: Diezeitgeschichtlichen Beziehungen des Lebens Jesu, eingehend zu besprechen. Doch mag es gestattet sein, einen einzelnen Punkt zu betrachten. Ein unbefangener Einblick in die vorliegenden Quellen belehrt aufs Unzweideutigste, daß in Jesus, soviel wir von ihm mit Sicherheit aussprechen können, nicht die Ahnung davon aufgekommen war, die Schranken des Judenthums zu durchbrechen, er wollte kein Titelchen von demselben, und zwar nach der Gestalt, wie es durch die Pharisäer, welche auf dem Stuhle Moses' sitzen, fortgebildet worden, aufgehoben wissen, er betrachtete sich als ausschließlich an die Juden gesendet, das Reich sollte blos für sie gegründet werden, Heiden und Samariter wies er hart ab und wollte das Brod das für die Kinder bestimmt sei, nicht den Hunden vorgeworfen wissen. In diesen Grundsätzen wandelten und lehrten seine'unmittelbaren Jünger, das ganze Anfangs herrschende Judenchristenthum. Erst Paulus durchbrach die Schranken; er hatte darum harte Kämpfe zu bestehen, ward arg geschmäht, galt als ein Bileam. Allein er drang durch, oder vielmehr das an ihn sich anschließende Heidenchristenthum errang allmälig siegreiche Geltung. Als Hauptwaffe in diesem Kampfe um Erweiterung mußte die Behauptung dienen, daß Jesus selbst schon die befreienden Lehren verkündet habe. Abgesehen von den Schriften, welche Paulus selbst in diesem Sinne abfaßte, doch weniger in Jesu als in seinem eigenen Namen auftretend, wurden, gegenüber den altern Evangelien - des Matthäus und Marcus — die gleichfalls nicht ohne Zusätze blieben —, den Schriften des Petrus, des Judas, des Johannes (Apokalypse), die auf streng judenchristlichem Standpunkte stehn, neuere Evangelien, die nach Lucas und Johannes, und die Apostelgeschichte ausgearbeitet, von der Voraussetzung aus, daß Jesus selbst bereits Heidenchristlich gedacht und gehandelt, und mit der bestimmten Absicht dieser Auffassung von Jesus Nachdruck zu geben. Natürlich stehn nun die verschiedenen Schriften und Berichte im schroffsten Widerspruch, und eine Kritik, die sich nicht selbst trüben will, sucht hier nicht Ausgleichung, sondern geschichtliche Lösung. Allein die christliche Theologie liebt es gar sehr zu vermitteln; sie trennt sich ungern