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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 275

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 275 (sequence 35)
Language
German
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II. Die zweite Tempelperiode. 275 Schüsseln sind eben nur Ersatz für das nicht mehr mögliche Opferlamm, das, solange der Tempel stand, auf den Tisch gebracht wurde. Also kommen auch hier keine Worte vor, die gesprochen werden, aber auch der Ausdruck ״der Leib des Passahlammes" ist zu Gunsten der Einsetzungsworte beim Abendmahle ganz ohne Berechtigung scharf betont; denn ״der Leib, der Körper einer Sache" bedeutet im Hebräischen und Aramäischen nichts Anderes als ״die Sache selbst" im Gegensätze zu einem andern Gegenstände, der eben nicht sie selbst ist, sie aber, wie hier, blos ersetzen soll. Man erkennt aus diesen einzelnen Beispielen, wie sehr noch eine tiefe und unbefangenere Erforschung des Materials vorgenommen werden muß, wenn eine richtige Einsicht gewonnen werden soll. Die thalmudischen Quellen werden noch immer sehr mangelhaft und ohne das erforderliche Verständniß benutzt. Nun tritt aber noch hinzu die mehr oder weniger bewußte Absicht, in dem damaligen Judenthume recht grell die Schattenseite hervortreten zu lassen und Jesus zu verklären; eine solche mag sich mit der christlichen Theologie recht Wohl vertragen, kann aber vor dem Nichterstuhle unparteiischer Geschichtsforschung unmöglich bestehen. Diese verlangt, daß, ohne alle Beschönigung, dennoch die befreienden Tendenzen des Pharisäismus, zumal des durch Hillel vertretenen, anerkannt, daß seine Bestrebungen im Zusammenhänge mit der ganzen geschichtlichen Lage, in dem energischen Kampfe, den er zu führen hatte, gewürdigt werden, daß der einzelne Ausspruch nicht losgerissen von der Wurzel des Systems, sondern als Consequenz eines umfassenden Grundsatzes beurtheilt werde, und da wird selbst die vielverspottete Discussion über das Ei, das am Festtage gelegt worden, in einem andern Lichte erscheinen. *) Andererseits aber darf die Kritik, nachdem sie klirrend das Portal der jüdischen Zeitgeschichte durchschritten, nicht plötzlich beim Leben Jesu stillstehn oder doch gar schüchtern und sanftmüthig auftreten. Die christliche Theologie mag es mir nicht verübeln, wenn ich es offen ausspreche, daß unser Einen ein gar seltsames Gefühl von der Anwendung verschiedenen Maßes beschleicht, wenn er zuerst die nicht selten harte und höhnende Sprache gehört hat, dann mit einem Male nur Weiche, liebreich schonende, in höhere Harmonien sich auslösende Klänge vernimmt. Ihm ist, wie wenn er aus der kalten Bergregion mit ihrer scharfen, doch immer kräftigenden 1) Ausführlicher darüber bei anderer Gelegenheit.

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