Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2420992-2420996--1885-2422973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
270 ir. Die zweite Tempelperiode. War das die Anwendung der geheimen Zahlenlehre (schlechtweg ״die Ueberlieferung", ״Kabbalah" genannt) zu exegetischen Zwekken". Die Anwendung des Wortes ״Kabbalah" belehrt uns hinlänglich, daß wir es hier mit jener unkritischen Vermengung der Zeiten zu thun haben, die so arge Verwirrung in die Erkenntniß der jüdischen Geistesentwickelung gebracht hat. Die ganze mystische Richtung, welche mit dem Namen der Kabbalah belegt wird, gehört dem Mittelalter, noch dazu dessen jüngerer Zeit an und hat nur sehr karge Anklänge in der Literatur der Thalmude und des älteren ächten Midrasch; ihr ist das Wort Kabbalah in diesem Sinne gänzlich fremd, sie kennt es blos in dem stricten Sinne von wirklicher, meist halachischer, Tradition (zuweilen sogar von dem Schrift- Worte außer dem Pentateuch). Auch jene angebliche geheime Zahlenlehre, d. h. die Vertauschung eines Wortes mit einem andern, wenn die Buchstaben beide einen gleichen Zahlenwerth haben (Gimatria), ist keine ״Methode der Auslegung", die ״von Alters her unter den palästinensischen Schriftgelehrten gangbar" gewesen. Sie findet sich in der älteren Literatur nur in einzelnen sehr schwachen, harmlosen Anfängen, während das willkürliche Witzesspiel der Wort- Vertauschung der entarteten späteren Zeit und Gelehrsamkeit angehört. Darüber könnte den Vfr. das einzige Beispiel belehren, welches er anführt. Der Vfr. meint, man habe das ״kuschäische" Weib des Moses (Numeri 12, 1) in ein besonders schönes umgedeutet, indem man הועוית mitיפת בלראות vertauscht habe, weil der Zahlenwerth des ersten wie der dafür substituirten zwei Worte 736 betrage. Das ist jedoch lediglich eine nachträgliche Manipulation einer ganz späten Zeit. Wie der Vfr. aus Urschrift S. 199 ersehen konnte, beharren die älteren Uebersetzer und Erzähler bei der Aethioperin; erst die späteren, zu denen natürlich auch Onkelos gehört — der dem Vfr. hier wieder fälschlich als alter Zeuge gilt — nahmen Anstoß an einem Weibe des Moses neben Ziporah, zumal einem äthiopischen, machten die ״Kuschith" zu einem sehr schönen Weibe, bezogen es auf Ziporah selbst (vgl. Urschrift das.) und zwar indem sie die seltsame Combination machten, daß die Schönheit so auffallend gewesen wie die schwarze Hautfarbe an Aethiopen, ja sie gehen so weit, diese Auffassung noch auf mehrere Stellen zu übertragen (vgl. Zeitschr. d. D. M.G. Bd. XX S. 163). Von-der Combinirung des Zahlenwerthes ist jedoch hier keine Spur, was auch für andere Stellen, in denen, wie gesagt, die Umdeutung