Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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264 II. Die zweite Tempelperiode. Herrschaft mußte, vom Priesterthum getrennt, in das alte David- Haus wieder einkehren, das Volk unterdessen die Priesterobmacht einengen, sich selbst möglichst in seiner Gesammtheit zu einem Priestervolke heranbilden. Die Herrschaft wurde freilich dem Priestergeschlechte entwunden, aber sie kehrte nicht zum davidischen Hause zurück; ein Neujude, ein Jdumäer, gewann sie und machte sie in seinem Hause erblich. So waren alle, Sadducäer wie Pharisäer, gleich unterthan der Herrschergewalt, die um so schwerer auf ihnen lastete, als sie nun noch unter die Botmäßigkeit der Römer kamen, die eine selbstständige Regung nicht duldeten.. Die Sadducäer waren wiederum fügsam, ralliirten sich umsomehr mit der Herodäischen Dynastie, als diese durch Verschwägerung theils mit den gestürzten Hasmonäern Lheils mit einem neuen Priestergeschlechte, dem des Boethos, ihre Berechtigung anerkannte. Auch die Pharisäer beugten sich, den gemeinsamen Druck dem Uebergewichte der Sadducäer vorziehend — wenn auch diese mit den Boethusiern es auch jetzt noch an plumpem Uebermuthe nicht fehlen ließen —, doch die Hoffnung auf den heimischen, davidischen Herrschersprößling um so eifriger nährend und die religiös demokratischen Grundsätze um so angestrengter befestigend und verbreitend. Das gelang ihnen umsomehr, als die Priester nicht mehr auf dem Throne saßen und von dort nur laue Unterstützung fanden. Hillel und seine Schule traten innerhalb des Pharisäismus mit größerer Energie auf, die Gesichtspunkte erweiterten sich, größere religiöse Freiheit suchte sich anzubahnen, und wenn auch dieses Streben in dem schweren Kampfe um das ganze Volksdasein nicht zu seiner vollen Entfaltung gelangen konnte, der politische Kampf die Bewegung der Geister nach diesem einen Punkt hindrängte: so bereitete doch die neue Richtung das Christenthum vor und ebnete ihm die Wege. Denn die Aufregung der Geister, welche diese in sich selbst immer weiter fortschreitende und sich der Massen immer mehr bemächtigende Bewegung des Pharisäismus bewirkte, war eine gewal- Lige. Es war freilich der unbestrittenen Priesterherrschaft während der stillen drei Jahrhunderte, welche Judäa unter der Oberhoheit der Perser und in der ersten Griechenzeit verlebte, gelungen, die Reform, welche der Judaismus und das Deuteronomium als dessen Ausdruck anbahnte, zu dämmen. Opferwesen und Priesterthum aren trotz deren Jgnorirung im Deuteronomium gar sehr in den