Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die zweite Tempelperiode. 263 Verwaltung leiteten und Vertreter des Heiligthums blieben. Der rathlosen Ohnmacht dieser eifrigen, aber beschränkten Demokratie, die die herrschenden Priester als Verräther verabscheute und dennoch das Priesterthum weiter verehren mußte, kamen Glieder aus dem Priesterstande, die aber nicht zur herrschenden Linie gehörten, zu Hülfe; an die Spitze des Widerstandes gegen das Machtgebot des Auslandes und die Gefügigkeit der Zadokiten stellten sich die Hasmonäer, die klug und vaterländisch gesinnt, mit muthigem Eifer den Kampf unternahmen und glücklich zu Ende führten, die Unabhängigkeit errangen und die Zadokiten stürzten, sich selbst zur Herrschaft wie zum Hohenpriesterthume emporschwangen und jene wie dieses mit dem Glanze eines Königsthrones umgaben. Die Zadokiten waren nun von ihrer Höhe herabgestiegen und blieben dennoch als Priester, als alter Adel eine einflußreiche Aristokratie, um die sich Alles scharte, was nach exclusiver Stellung lüstern war; sie nannten sich selbst ״die Söhne der Hohenpriester", das Volk kennzeichnete sie als Sadducäer. Gegen ihre, nun noch weit weniger berechtigte Anmaßung erhob sich um so heftiger der Unmuth des Bürgerthums, der Genossen des frommen Bundes, Chaberim, der Kenner des Gesetzes, der Soferim und Chachamim, die mit dem alten Namen der ״Abgesonderten" der Peruschim, Pharisäer, belegt wurden. So wogte der Kampf zwischen der doch immer im Besitze bürgerlicher Vorrechte und priesterlicher Stammesheiligkeit befindlichen Aristokratie und dem nach erweiterter Machtgeltung und möglichst religiöser Ausgleichung ringenden Bürgerthum. Diesen Streit vermochte die hasmonäische oder makkabäische Dynastie nicht zu bewältigen. Eine Vermittelung zwischen diesen schroffen Gegensätzen, ja eine Erhebung über die Parteien gelang selbst kräftigen und klugen Herrschern aus diesem Hause nicht, um so weniger den Schwächlingen, die bald folgten. Erkannten ja auch sie übrigens vorzugsweise ihre Berechtigung in ihrem priesterlichen Charakter, und so mußten sie sich zu ihren Stammesbrüdern hingezogen fühlen; ist ja dem Hofe zu allen Zeiten überhaupt eine gefügige Aristokratie verwandter als ein eifriges, argwöhnisch seine Freiheit bewachendes Bürgerthum! So waren die Pharisäer im Kampfe nicht blos gegen die Sadducäer, sondern auch gegen das makkabäische combinirte Königthum und Hohenpriesterthum. Zukunftshoffnungen, unklar und schwärmerisch, aber im bestimmtesten Gegensätze zu der entarteten Gegenwart, gestalteten sich zu glühender Sehnsucht. Die