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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 262

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 262 (sequence 22)
Language
German
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262 II Die zweite Tempelperiode. salem und an reichen Beiträgen dorthin nicht fehlen ließen. Die herrschenden Priesterfamilien hingegen suchten die Umstände zu benützen zur Ausdehnung ihrer Machtbefugnisse, zu neuer Verherrlichung ihres Stammes; jüngere Söhne wurden hingesandt, um dort als Hohepriester an die Spitze zu treten. So gingen wiederum die Interessen des Patriciats und des Bürgerthums weit aus einander. Zwischen Samaritanern und Zadokiten stellte sich ein gewisser geistiger Zusammenhang her, soweit die feststehenden Schranken es zuließen; in der Gesetzesdeutung ließen jene von diesen sich leiten, umsomehr entfernten sich von beiden die Strengnationalen, die Pharisäer. Weniger wirkten die ägyptischen Juden, deren Oniastempel — so genannt nach dem Namen des ersten Priesters — wenig Bedeutung gewann, während die reiche und intelligente Bevölkerung Alexandrien's an Ansehen stieg und . der Name ״Alexandriner" für alle Juden Aegyptens galt. Die fremde griechische Sprache, die eigenthümliche Bildung und Richtung, die als alexandrinische eine für die Zukunft einflußreiche Geltung erlangte, verhinderte, trotz der reichen literarischen Thätigkeit, die sie entfalteten, und trotz dem warmen Eifer für Judenthum, den sie bewahrten, ihre Einwirkung auf Palästina; sie empfingen von dort, wenn auch abgeschwächt, und vermochten nicht zu spenden, selbst zur Zeit da die Ptolemäer das Seepter führten über Palästina. Jedenfalls blieben jedoch unter den ersten Regenten dieses Hauses die Juden ungekränkt, und keine Leidenschaft wurde hervorgerufen. Doch bald änderte sich die Lage. Die späteren Ptolemäer verloren den milden Sinn gegen ihre jüdischen Unterthanen im eigenen Lande, betrachteten sie als fremdartige Elemente mit Mißtrauen, und Druck häufte sich auf die Juden, die den Mutterboden Palästina's innehatten. Noch schlimmer wurde es für diese, als Syriens Tyrannen, die Seleuciden, die Herrschaft über Judäa an sich rissen; griechischer Dünkel ohne tiefere Bildung verletzte tief die Eigenart der Juden. Nun trat wieder recht scharf hervor, wie weit die herrschende Aristokratie und das Bürgerthum aus einander gingen; jene schmiegte und krümmte sich unter das Machtgebot des ausländischen Herrschers selbst mit Verletzung der religiösen Eigenthümlichkeit, dieses suchte dieselbe mit aller Kraft zu wahren, grollte gegen die Obmacht des fremden Herrschers und war Lief entrüstet über die Söhne des eignen Volkes, die in sklavischer Unterwürfigkeit und mit Verläugnung geheiligter Volkssitte dennoch wieder die innere

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