Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die zweite Tempelperivde. 261 gegen den Tempel erfüllen, Abgaben zu seiner Erhaltung entrichten, ist besorgt um Fernhaltung jeder Entweihung von dem Geheiligten, und muß andererseits dennoch mißtrauisch auf die Träger des heiligen Dienstes Hinblicken, ihre Herrschsucht abwehren, ihren Heiligkeitsdünkel demüthigen, sich selbst zu einer gleichberechtigenden Heiligung emporschrauben, um den Sadducäern die vermeintlichen Vorzüge zu entwinden. Hierin liegt die Erklärung für die Parteibildung und die Parteikämpfe, hierin die Ursache für die peinliche Selbstbelastung der Pharisäer aus demokratisch staatlichem und religiösem Freiheitsdrange. An den Ereignissen, an der Ausbildung der geschichtlichen Zustände schärften sich die Gegensätze. Unter der Oberhoheit der Perser und Alexanders des Macedoniers verflossen die Verhältnisse ziemlich ruhig; nicht in ihrer Eigentümlichkeit gefährdet, nicht zum Kampfe dafür herausgefordert, gingen die verschiedenen Classen der Gesellschaft still mit einander; doch von nun an kam ängstliche Bewegung. Schon das Element überwiegender griechischer Bildung mußte eine Gährung in den Gemüthern erzeugen; die vornehmen Familien traten, bei aller priesterlich-jerusalemischen Gebundenheit, doch in engere Berührung mit der tonangebenden Gesellschaft des herrschenden Volkes und wurden von der scheinbaren geistigen Ueberlegenheit, von der verführerischen Ueberfeinerung geblendet. Es konnte nicht an Nachahmungen fehlen, die den schlichten Bürgersinn der ״Abgesonderten" politisch wie religiös tief kränkten und gegenüber der Aristokratie den Eifer für die Bewahrung der Volksthümlichen Sitte erhöhten. Hiezu kam noch der erweiterte Umfang, den das Judenthum über die Gränzen des judäischen Palästinas hinaus gewann. Bei der Großartigkeit, welche die Verhältnisse im griechischen Weltreiche gewannen, hob sich auch das Selbstbewußtsein der Samaritaner und der ägyptischen Juden, und die freie Bewegung, die von einer erleuchteten Verwaltung begünstigt wurde, gab ihnen den Muth zu selbstständigerem Auftreten. Samaritaner und Aegypter gründeten oder befestigten eigne Tempel an alten geheiligten Stätten, die ersteren zu Sichem, die letzteren in der Gegend der alten ״Sonnenstadt" (Heliopolis) im leontopolitanischen Bezirke. Dem strengnationalen Bürgerthume war ein Tempel außerhalb Jerusalems eine Stätte des Abfalls, die Kluft zwischen Judäern und Samaritanern erweiterte sich, auch die ägyptischen Juden gelten nicht für vollberechtigt, obgleich sie es an der Verehrung für Jeru-