Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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260 II. Die zweite Tempelperiode. Die Juden ihrerseits wurden in eigenthümliche Verhältnisse hineingedrängt. Der Eifer für ihre Restauration, ihre Selbstständigkeil mußte sie besonders anspornen, fremde Elemente fern zu halten, ihre Stammesreinheit sorgsam zu wahren, und die Herstellung der Stadt und des Tempels, Jerusalems und des jüdischen Heiligthums in ihm, galt als Symbol dieser Selbstständigkeit, wurde der Mittelpunkt ihres Strebens. Absonderung von den Nichtnationalen, Anschluß an den Tempel und seine Diener war der Wahlspruch der Vaterlandsfreunde. Die Zadoksöhne, die treuen jerusalemischen Priester, mußten daher sehr bald ein Uebergewicht erlangen über die Davidsöhne, umsomehr als eigentliche Herrschaft von dem Oberlehnsherrn sehr beschränkt war und sehr wenig sich manifestiren, das priesterliche Werk im Tempel hingegen durch die fromme Bereitwilligkeit der Anhänger zu immer höherem Glanze sich erheben konnte. So waren von vorn herein die zwei Abtheilungen des Volkes gegeben, die seine kräftigsten Bestandtheile waren und blieben: die Zadoksöhne, die herrschenden, das Heiligthum vertretenden, und die Abgesonderten, das strengnationale Bürgerthum. Anfangs gingen beide Hand in Hand, um die gemeinsamen Angelegenheiten zu befestigen, doch mußte bald Eifersucht und Zwiespalt eintreten, ohne daß sie von einander lassen konnten. Aristokratische und hierarchische Gelüste der Zadokiten drängten gern das Volk und seinen selbstthätigen Eifer zurück, dahingegen erwuchs das Mißtrauen des kräftigen Bürgerthums gegen die priesterlichen Herren, suchte ihre Vorzüge zu beschränken, die Verwaltung zu demokratisiren und, soweit es mit dem unverbrüchlich gewordenen schriftlichen Gesetze verträglich, auch religiöse Gleichstellung zu erwirken. Also die Wurzel, aus der die Sadducäer und Pharisäer hervorwachsen, ist dieselbe alte gemeinsame, die Trennung selbst in dem Beginne der staatlichen Wiederherstellung mitgegeben. Die Stellung der Parteien ergiebt sich nun von Anfang an und zeichnet sich im Laufe der Geschichte immer schärfer ab. Die Zadoksöhne, die Sadducäer, sind die Männer der Verwaltung, die geborenen Vertreter der staatlichen Selbstständigkeit, sie sind die Träger des Heiligthums, die priesterlichen Beamten der Religion, und sind dennoch mhl in beiden Beziehungen, werden immer persönlich anmaßender, sachlich lauer. Das kräftige und fromme Bürgerthum, die Pharisäer, muß und will sich den herrschenden Priestern, zumal dem ov ihnnen geleiteten Heiligthume anschließen, Pflichten