Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2420992-2420996--1874-2422962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
II. Die zweite Tempelperiode. 259 Lande zurückgeblieben waren und nun den Namen ״Samariter" trugen, sich den zurückgekehrten Judäern angeschlossen, an dem Neubaue des Tempels zu Jerusalem, mit Jgnorirung Sichem's, sich betheiligt und so eine volle Einigung hergestellt. Allein die Judäer, erfüllt von dem Gedanken an Restauration und Verjüngung ihres religiösen Staatslebens, waren zwar einerseits von der allumfassenden weitherzigen Reform, wie sie die Propheten Juda's angebahnt, durchdrungen, aber doch auch andererseits für Befestigung ihrer noch so sehr schwachen Selbstständigkeit wie für die Reinhaltung ihres Grundwesens von aller heidnischen trüben Beimischung erglüht 1). Wie sie daher von den eingebrochenen fremden Ansiedlern sich fern halten wollten, so sahen sie auch in der Vermischung mit den Samaritanern, die sich vor solcher Berührung unterdessen nicht bewahrt hatten, eine Untergrabung ihrer heiligen Absichten. Erst durch die Zurückweisung der Samaritaner erweiterte sich der Bruch zwischen diesen und Judäern. Jene verwarfen nun Alles, was von Juda stammte. Freilich mußten sie, der vaterländischen Cultur entfremdet und nur aus trümmerhaften Erinnerungen noch an gewissen äußern Satzungen haltend, von den Judäern die Schriften aufnehmen, welche als uralt, vor der Suprematie Juda's entstanden galten, und sie nahmen sie auf in der Gestalt, welche sie in Juda empfangen hatten, die als mosaisch verehrten Bücher, einschließlich des streng judäischen Deuteronomium, und mit den unverkennbaren Zusätzen, welche noch späteren Zeiten angehören. Doch brachten sie sie in Einklang mit den ererbten bei ihnen fortlebenden Sitten theils durch Aenderungen im Texte, theils durch eigenthümliche Deutungen. Eine volle und richtige Zeichnung der Samaritaner ist erst begonnen und noch nicht ausgeführt. Man liebt es gar zu sehr sie als halbe Heiden, darzustellen, sie waren aber strenge Israeliten, freilich mit verbissenem Ingrimm gegen die Juden, und von diesem Hasse gestachelt, mögen sie oft mit dem Auslande gebuhlt haben, ohne darum doch ihre religiöse Selbstständigkeit aufzugeben; nur waren sie von vorn herein starr und konnten, soviel sie auch von den Juden annahmen, sich an ihrer lebensfrischen Entwickelung nicht betheiligen 2). 1) Vgl. die Abhandlung: Maleachi und der jüngere Iesaias, oben S. 86 ff. 2) Vgl. meine Abhandlung: Differenzen zwischen Samaritanern und Inden, in Ztschr. d. D. M. G. Bd. XX S. 527—73. 17*