Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die zweite Tempelperiode. 255 Zeitgeschichtliches berichtet, sondern eine Auswahl von Momenten aus dem Leben Jesu liefert: so sieht man bald, daß der eigentliche Gegenstand, blos in zwei kurzen Abschnitten behandelt, dem zweiten, der nicht ganz treffend ״die öffentlichen Zustände" überschrieben ist, und dem dritten: ״die Parteien", welche zusammen kaum 90 Seiten einnehmen, sehr zu kurz kommt. Bei solcher Anlage müssen natürlich die Geschichtswerke des Josephus sehr stark benützt werden. Es fehlt Hrn. H. keineswegs an der rechten Würdigung des Josephus, er hütet sich vor leichtgläubigem Vertrauen zu ihm, wenn es gilt innere Zustände zu erfassen, und er geht mit anerkennenswerther Umsicht zu Werke. Dennoch werden manche Stellen des Josephus in einer mißverständlichen Weise angewendet, so daß aus ihm, und zwar in nicht unwichtigen Punkten, Unrichtigkeiten angeführt und angenommen werden, an denen er selbst ganz unschuldig ist. Schon früher (Urschrift S. 108 Anm.) war z. B. bemerkt worden, daß man sehr mit Unrecht einer Stelle des Josephus (Alterth. XVIII, 1, 4) den Sinn unterlegt, die Sadducäer nähmen Aemter widerwillig an, während dieselbe nur besagt, daß die Sadd., wenn sie ein Amt verwalten, — was eben gerade bei ihrer vornehmen Lebensstellung sehr gewöhnlich war—, sich widerwillig den Anordnungen der,Pharisäer fügen müssen, wie Dies auch aus thalmudischen Stellen bezeugt ist. Nachdem Hr. Hausrath in seiner schönen Abhandlung über Pharisäer und Sadducäer in der protestantischen Kirchenzeitung vom I. 1862 dennoch die unrichtige Auffassung wiedergegeben, gab ich abermals in der kurz daraus erfolgenden Abhandlung über diese Parteien (diese Ztschr. Bd. II S. 19, Sonderabdruck S. 13) die nöthige Berichtigung, die seitdem von mehreren Gelehrten ausgenommen worden. Dennoch schreibt Hr. H. auch in seinem neuen Werke (S. 133) im Namen des Jos. von den Sadd.: ״Wenn sie ein Mal gezwungen und den Umständen zu Liebe ein Amt annehmen, so schließen sie sich an die Pharisäer an, indem das Volk sie sonst nicht dulden würde". Die Stelle muß aber lauten: Sooft sie zu Aemtern gelangten, stimmten sie, wenn auch unwillig und mit Zwang, dem, was der Pharis. sagte, bei, weil sie sonst u. s. w. — Weil die Pharisäer nach Jos. Alterth. XVII, 2, 4 sich des, wie es scheint, einflußreichen Eunuchen Bagoas bedienten, ihn zur Anstiftung eines Aufruhrs aufstachelten, ihm die Wieder- Herstellung seiner Mannheit und Aehnliches verhießen, glaubt Hr. H.