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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 254

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 254 (sequence 14)
Language
German
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254 II. Die zweite Tempelpenode. Diese traurige Verblendung wird noch lange die Menschheit in manche trübe Wirrsal stürzen, noch schwere Kämpfe, Blut und Thränen kosten. Dem Geschichtsforscher aber verfinstert dieses Gelüste die reine Erkenntniß der damaligen Zeit. Er muß sie schwarz schauen, damit das ״Licht des Evangeliums" sich um so Heller abhebt, er malt sich, noch dazu durch die falschen Zeichnungen, der christlichen Begründungsschriften und das mangelhafte Verständniß der thalmudischen Quellen verleitet, jene Zeit im Judenthume in nebelhafter Färbung und wird so seinem eignen Unternehmen, Geschichtsschreiber zu sein, untreu, um zuletzt in die Rolle des apologetischen Dogmatikers und Wundererzählers zu fallen. Diese Erfahrung macht man an allen neueren Bearbeitungen jener Zeitgeschichte. Bei allem Ernste, mit dem die Verfasser an ihre Aufgabe gehn, gewahrt man bei ihnen den Mangel an Vertrautheit mit den einzig zuverlässigen, den thalmudischen, Quellen und zugleich die Absichtlichkeit, das damalige Judenthum als den weit abgelegenen ungeweihten Vorhof zu schildern, aus dem man staunend in das strahlende Heiligthum des Christenthums Antrete. Von diesen Mängeln ist auch das neuste Werk des Hrn. Prof. Hausrath nicht frei. Es hat seine großen Vorzüge. Es ist künstlerisch abgerundet, ist schmuck und anmuthig ohne Schwulst, und man sieht dem ganzen Buche das ehrliche Bestreben des Vfrs. an, trotz dem Verlangen das Bestehende zu wahren, doch alle Umstände unparteiisch zu würdigen, jede eifervolle Aufwallung fern zu halten. Es verletzt nicht und trägt den Schein einer milden Objektivität an sich. Und dennoch! Schon die ganze Anlage des Werkes beweist, daß die Ausführung der eigentlichen Aufgabe, die innere Geistesbewegung jener Zeit zur Darstellung zu bringen, an einer gewissen Dürftigkeit leidet und dafür die Außenwerke, die bürgerliche Geschichte, mit ungehöriger Ausführlichkeit behandelt werden. Es gehört zwar zum richtigen Verständniß der die Gemüther bewegenden Empfindungen, die umgebende Natur und den historischen Hintergrund zu kennen, um deren Einwirkungen würdigen zu können; daß diese Schilderung jedoch im ersten, vierten und fünften Abschnitte nahezu die Hälfte des Buches einnehme, erscheint nicht gerechtfertigt. Nimmt man nun hinzu den sechsten, den letzten und längsten Abschnitt — er umfaßt mehr als den dritten Theil des Buches —, der, soviel ich sehe, ganz über die Gränze des Werkes hinausgeht, indem er nicht

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