Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 II. Die zweite Tempelperiode. dieser Uebergang durch den Alexandrinismus wie durch die universellen Hoffnungen des jüdischen Messiasglaubens. Nun erst als das Christenthum mitten auf der Heerstraße der Heidenwelt stand, drangen auch deren Ideen auf es ein, die es dennoch mehr bekämpfte als in sich aufnahm. Bei seinem Ursprünge, seinen ersten Schöpfern und Trägern wirkte demnach kein nichtjüdisches Element mit. Dem jüdischen Geschichtsforscher wird dieses Anerkenntniß sehr leicht, ja er begrüßt dieses Ergebniß mit Freude, er betrachtet es als eine großartige Thatsache, daß das weltbeherrschende Christenthum nicht blos dem Fleische nach, sondern auch dem Geiste nach aus dem Judenthum geboren ist. Er wird sich freilich dem gerechten Ansprüche, der an ihn gestellt wird, nicht entziehen dürfen einzugestehn, daß das Christenthum in seiner vollen Ausbildüng, durch die Aufnahme der Heidenwelt sich das hohe Gut der Befreiung vom gesetzlichen Ceremonialdienst errungen hat. Er wird noch weiter gehn und zugeben, daß auch schon bei dem ersten Auftreten der christlichen Bewegung das Ceremoniengefüge, sowenig es auch an Geltung verloren, doch gelockert worden und etwas in den Hintergrund getreten sei. Gehörte es ja mit zur jüdisch-messianischen Anschauung, daß dem Messiasreiche alle Welt einverleibt werde,, mit ihm eine neue Ordnung der Dinge eintrete. War der Glaube an seinen Beginn in die Gemüther gedrungen, so mußte man auch für eine neue Ordnung sehr empfänglich sein, das Bisherige mußte als veraltet, den ganz neuen Zuständen nicht entsprechend erscheinen; es kann ja nicht fehlen, daß ein die Geister mächtig beherrschender, sie ganz erfüllender Gedanke alle andern verdränge. So wird der denkende Jude sich der Anerkennung nicht verschließen, daß das Christenthüm bei seinem Eintritte den Keim zur Befreiung vom Ceremonialdienste in sich getragen, den es dann bei seiner Ausbreitung über die Völker zur vollen Entfaltung gebracht. Er wird das Gewicht dieser Befreiung, deren Einfluß auf die Verinnerlichung der Gesinnungen nicht unterschätzen, ja er wird das freimüthige Bekenntniß nicht scheuen, daß das Judenthum hier ein Wesentliches nachzuholen hat, daß wenn auch dem eigensten Wesen des Judenthums Knechtschaft unter die äußere Satzung nicht angehört, es in dieselbe doch hineingerathen ist durch den energischen Kampf, welchen es zuerst gegen das Heidenthum, dann gegen das heidnisch gewordene Christenthum führen mußte, ferner durch den harten Druck, welcher über es verhängt worden, der an sich schon den Geist