Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Die zweite TempeLperiode. 251 Lucas- und Johannes-Evangelium bereits ganz außerhalb stehn, keine Kenntniß mehr vom Judenthum und noch weniger Verstandniß für dasselbe haben. So bleiben denn vorzugsweise die thalmudischen Schriften zuverlässige Führer. Ihre Redaction, selbst die der ältesten Bestandtheile, gehört freilich einer späteren Zeit an; ihre Aufstellungen wie ihre Berichte sind demgemäß nicht frei von der Bei- Mischung einer weiteren Entwickelung und späteren Färbung. Dennoch wird es einer sorgsam geübten Kritik gelingen, aus ihnen die ihnen zu Grunde liegende Vergangenheit zu construiren, besonders wenn sie auch über die vorangegangene biblische Zeit zu größerer Klarheit zu gelangen weiß und so den continuirlichen Zusammen- Hang herstellt.. Die Aufgabe ist jedoch mit großen Schwierigkeiten verbunden; es muß das umfassende Gebiet beherrscht, die Kritik mit jener keuschen Selbstverleugnung geübt werden, welche sich von aller Voreingenommenheit, aller eiteln Conjecturensucht freizuhalten weiß, und geschichtlicher Sinn muß in die geheimen verschütteten Gänge einzudringen wissen. Dem christlichen Gelehrten aber ist dieses Gebiet leider wenig zugänglich, und die Benützung einschlagender neuerer jüdischer Arbeiten, selbst wenn dieselben ausreichten, selbst wenn sie unter sich übereinstimmten, muß doch immer den Mangel an Selbstständigkeit sehr fühlbar machen. Das Bild jener Zeit verschiebt sich dem christlichen Bearbeiter noch weit mehr durch den zweiten ihm ganz besonders gewichtigen Umstand, der ihm überhaupt erst die Veranlassung giebt, seine Aufmerksamkeit dem Gebiete zuzuwenden. Dieser Zeit und diesem Boden ist das Christenthum entsprossen. Man ist in neuerer Zeit immer mehr zur Erkenntniß gekommen, daß bei dessen ursprünglicher Entstehung kein außerjüdisches Element mitgewirkt hat. Die im Griechenthume, in der Römerwelt herrschenden religiösen und philosophischen Anschauungen waren dem palästinischen Judenthume somit auch Jesus und seinen Aposteln wie dem an sie sich anlehnenden Judenchristenthume gänzlich fern geblieben; sie beginnen erst sich mit Paulus, mit der Umwandlung in das Heidenchristenthum geltend zu machen. Selbst diese Umwandlung ist nicht durch den Einfluß von außen eindringender Ideen bewirkt worden, sie war vielmehr die Folge des energischen Kampfes von Seiten der Juden gegen das entstehende Christenthum, welche es somit von sich hinaus in die Heidenwelt gewaltsam hineindrängten, und vermittelt wurde