Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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250 II. Die zweite Tempelperiode. ren. Josephus, der am Ende dieser Periode geschrieben, und zwar den jüdischen Krieg, die Alterthümer und sein eignes Leben — auch seine Verteidigung des Judenthums gegen Apion bietet Materialien —, ist ein höfischer Schriftsteller, der selbst in sich ׳schwankend, zu keiner Zeit ein rechtes Verständniß für sein Volk, weder für die Richtung der Gesammtheit noch für die der einzelnen Parteien, hatte, es noch mehr verlor, als er zum Clienten der Flavier sich hinanschmeichelte'und bald beschönigend bald verwischend anftrat und in die Stimmung fremder Leser sich zu versetzen für seine Aufgabe hielt. Philo, noch älter, ein ebenso, eifrig wohlmeinender wie denkender Mann, lebt in einer eigenthümlichen alexandrinischen Gedankensphäre, über den Dingen schwebend, sie niemals Herz- Haft berührend und ist, wenn auch von dem palästinischen Geiste angezogen, doch nicht genügend von ihm durchweht. Die Apokryphen beschränken sich, insofern sie nüchtern sind, auf einzelne Geschichtserzählungen, die wenig von dem innern Geiste durchblicken lassen und dieses Wenige nur enthüllen, wenn man mit demselben bereits vertraut ist, also im besten Falle mehr bestätigen als belehren. Insofern sie in apokalyptischer Form auftreten, ist einestheils die Zeit ihrer Abfassung, also ob sie unserm Zeitraum noch angehören, sehr unsicher, anderntheils verhüllen sie sich so sehr, daß sie uns Räthsel aufgeben, nicht solche lösen; sie wollen erklärt sein und erklären Nichts. Dabei stammen sie von so unklaren, schwärmerisch verworrenen Geistern her, daß aus ihrer leidenschaftlichen Aufwallung eben blos die Leidenschaftlichkeit der Zeit, nicht aber deren Inhalt erkannt wird. Noch schlimmer steht es mit andern Schriften, die man zu Zeugen der Zeit machen zu können glaubte, weil man deren Verfasser für Genossen derselben hielt f das sind einige aramäische Uebersetzungen zu gewissen biblischen Schriften, und zwar das nach Onkelos benannte Thargum zum Pentateuch und das nach Jonathan ben Usiel zu den Propheten. Allein diese gehören in ihrer jetzigen, von einer etwaigen früheren Recension völlig abweichenden Gestalt, frühestens dem vierten nachchristlichen Jahrhundert und Babylonien an. Die Evangelien endlich sind lediglich als Parteischriften zu erachten, sie haben sich bereits so tief in ihre eigenthümliche Anschauung versteift, daß selbst diejenigen, welche sich noch nicht ganz aus dem Judenthum herausgelebt haben, eine unbefangene Darstellung auch im harmlosesten Punkte kaum zu geben im Stande sind, während andere, wie das