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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 4 (1868) · p. Seite 248

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
4 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 248 (sequence 8)
Language
German
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248 II. Die zweite Tempelperiode. Zukunft. Weit tiefer noch ist die von dort vor Jahrtausenden ausgehende Lehre in die Gemüther der Culturvölker an allen ihren Wohnstätten eingedrungen. Was die Priester jener Zeit zuerst als besondere Heiligung für sich in Anspruch genommen, dann von ihnen aus das ganze Volk sich angeeignet hat, ist noch heute im Judenthum maßgebend. Die Demonstrationen, welche die Pharisäer im Kampfe gegen die Sadducäer ״pomphaft" vorgenommen und siegreich durchgesetzt, gelten noch als Vorschriften, wenn man auch der Art ihrer Entstehung sich nicht bewußt ist. Was Hillel und Schammai festgestellt, jener gegen diesen errungen, ist heute noch unerschüttert, kurz die ganze Geistesrichtung ist im Judenthume von jener Zeit noch bestimmt. — Aus ihr hat sich eine Strömung erzeugt, die sich dann neben der alten zu einer neuen Religion verfestigt hat und allmälig weithin herrschend geworden ist. So sehr sie auch den ihr Anfangs vom damaligen Judenthum ausgeprägten Charak- Ler im Laufe der Zeiten verändert hat, indem sie in die ״Fülle der Heiden" eingegangen ist, so hat sie doch ihr ursprüngliches Gepräge nicht aufgegeben und kann es nicht aufgeben, sie ist und bleibt Christenthum, der Glaube, Paß der im damaligen Judenthum erwartete Messias am Ende jener Zeit wirklich erschienen sei; diese Persönlichkeit ist von allen damaligen Anschauungen erfüllt und hat sie in den an sie sich anlehnenden Glauben ergossen, dessen Begründungsschriften sind von denselben gänzlich durchtränkt. So mannichfach nun auch das Christenthum durch die Entwickelung der Zeiten wie durch die Eigenthümlichkeiten der Völker, die es, Um- Wandlung empfangend wie gebend, erobert hat, eine sehr abweichende Gestalt gewonnen, so bleibt ihm doch der ursprüngliche Grundzug, viele Einzelheiten spiegeln jene alte Zeit wieder, wenn sie auch unbegriffen sich forterben, und seine ganze heilige Geschichte bleibt ein versiegeltes Buch, wenn sie nicht in den engsten Zusammenhang mit der damaligen Zeit gesetzt wird. — Auch der Islam vermochte sich diesem Einflüsse nicht zu entziehen. Ist er auch auf eignem arabischen Boden räumlich wie geistig erwachsen, hat er im Judenthum nicht, wie das Christenthum, seine leiblich-geistige Mutter zu verehren, so sind doch beide, namentlich das erstere, von der Wiege an seine Ammen gewesen, die ihn mit den besten Säften genährt, ihm seine wesentlichsten Bestandteile verliehen. Die geistigen Zustände der jüdischen zweiten Tempelperiode verdienen daher wegen ihrer weltgeschichtlichen Einwirkung, weil sie

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