Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 4 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Die Rabbiner -- Versammlung. 245 gelegenheiten berufen, und es ist eher zu besorgen, daß zu wenig derartige Elemente sich einfinden als daß zu viele. Die Männer des Stillstandes bleiben ohnedies grollend fern. Also solche gemischte Versammlungen, in denen doch die Rabbiner den Schwerpunkt bilden werden, beschlossen die zu Cassel Tagenden anzuregen. Ja, die Rabbiner werden und sollen auch ferner deren Schwerpunkt bilden, weil sie eben die beiden maßgebenden Momente der Sachkennerschaft und des Lebensbedürfnisses in sich vereinigen. Die Versammlungen sollen auch weiter ganz den bisherigen Charakter der freien Berathung und nicht der Entscheidung haben. Wenn der Ausdruck ״Synode" häufig für dieselben gebraucht worden, so sollte derselbe die Zusammensetzung aus verschiedenen Elementen, nicht die Vollziehung einer Wahl und die Berechtigung zur vertretenden Entscheidung bezeichnen. Wenn neben Rabbinern und Gelehrten noch von ״Gemeindevertretern" die Rede ist, welche ein Element der Versammlung bilden sollen, so sind unter ihnen Männer verstanden, welche Beruf und Befähigung zur Theilnahme an solchen Berathungen bekunden durch das Vertrauen, welches ihnen die Gemeinde durch die Berufung zur Vertretung ihrer Angelegenheiten bewiesen, durch den Einblick und die Erfahrung über die Bedürfnisse der Gemeinden, welche sie durch die Verwaltung erlangt haben. Keineswegs sind aber etwa damit ausschließlich Männer gemeint, welche ausdrücklich zu diesem Behufe von der Gemeinde oder dem Vorstande gewählt und abgeschickt werden, nicht Abgeordnete. Es gilt nicht die abschließende Entscheidung, nicht die Legitimation, daß man befugt sei für die Gemeinde ein Stimmrecht auszuüben. Die Macht der Ueberzeugung muß wirken, nicht die übertragene Gewalt. Bei gesetzgebenden Versammtungen, bei Landtagen, wo es die unmittelbare Befriedigung unausweichlicher Anforderungen gilt, muß die Masse, die Majorität, beziehungsweise ihre Vertretung das Endurtheil abgeben; Fragen des Geistes und der Ueberzeugung können nur zur Diseussion, zur Reife gebracht werden von den dazu innerlich Befähigten und Berufenen, nicht von Delegirten. Mit sicherem Verständnisse lehnte daher auch die Versammlung den Vorschlag ab, daß nur Delegirte zusammentreten sollten, daß Rabbiner und Gelehrte nur dann Zutritt haben sollten, wenn sie dazu erwählt und abgesandt werden. Das wäre gänzliche Verkennung der Aufgabe solcher Versammlungen. Die Bestimmung