Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Hrn. Dr. Derenburg. 239 Es bleiben mir viele Fragen ungelöst. Diese Inschrift mit יצחק הבגרי פג ist doch ein seltsames Ding. Wie kommt es, daß dieser berühmte Rabbiner eine solche lakonische Grabschrift erhielt, ohne einmal נפסד oder זח קפורת oder sonst eine der einfachsten Formeln, die sich auch auf den ältesten mitgetheilten Inschriften finden? Und die Frau hat keinen andern Namen als סיגרית? Oder haben wir nur Fragmente dieser beiden Steine? — Ueberhaupt will mich bedünken, als hätten die Juden in Palästina den Gebrauch gehabt, Nichts auf ihren Grabsteinen zu schreiben, vielleicht nicht einmal Grabsteine zu setzen. Bei den Makkabäern wird das Monument beschrieben, aber von keiner Aufschrift berichtet. Wenn der Grundsatz איך עועוין כפעוות לצדיקים befolgt wurde, so war eine Grabschrift ein schlechtes Compliment; um diesen Preis wollte Wohl jeder ein Zaddik sein. Daß man das Lesen der Grabschristen als ein gedächtnißraubendes Geschüft ansah (בלן בלילי דבלשהחי), beweist auch, daß man die Sache mit schelem Auge ansah. Auch hat man in Palästina trotz aller Nachgrabungen noch keine eigentlichen hebräischen Grabsteine gefunden. In den ersten Jahrhunderten findet man bereits in Rom für Juden griechische Inschriften, als ob es an hebräischen Formeln gefehlt hätte, so daß man zu gleicher Zeit fremde Sitte und fremde Sprache wählte. — Auch mit den zehn Stämmen in der Krim ist es ein eigenthümliches Ding. In unserm Thalmud ist kaum die Rede von ihnen; ich erinnere mich blos der Mischnah עשרת השפטים איך עתידין לחזור. Dagegen in der apokryphischen Literatur, wie in 4. Buche Esra, in der Assumptio Mosis sind sie genannt, und wird von ihnen ebenso gut wie von Juda und Benjamin gesprochen. Sollte dahinter etwas stecken, was bis jetzt nicht erkannt worden ist? Diese apokryphische Literatur, diese jüdischen Apokalypsen bilden das Steckenpferd der heutigen Theologie; sie tummeln es und lassen es die wunderlichsten Sprünge machen. Wenn es sich darum handelte, den Ideen einer wichtigen Zeit in ihren Erzeugnissen nachzugehen, und dann das Jahrhundert zu entdecken, welchem diese Erzeugnisse angehören, so-lohnte sich's allerdings der Mühe. Nun wollen die Herren, daß jedes Wort dieser phantastischen Schriftsteller einen Sinn habe, jedes Bild von Bedeutung sei, daß die Ausgeburten der regellosesten Imagination sich auf historische Facta und Personen beziehen. Man kann kein theologisches Blatt öffnen, ohne dem ״Taxo" aus dem Stamme Levi zu begegnen, den Ceriani mit seiner Assumptio Mosis in die Welt gebracht hat. Auch die Redactoren der Straß-