Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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234 Aus Briefen. wird gesagt in dem Buche: Der Kampf Gottes bei Sahab in Suf (so nach den 70 zu lesen, vgl. Deut. 1, 1). Es wird demnach gar kein ״Kriegsbuch" erwähnt; das ״Buch" aber steht hier wie Exod. 17, 14. ©.] Von Hrn. Prof. Dr. Chwolson, Petersburg, 15. März. Ihre Zeitschrift wird also trotz des, für die deutschen Gelehrten schmählichen Beispiels (V. S. 128, Anmerk. 1) fortgesetzt werden. In keinem Lande in Europa (außer Rumänien) herrscht noch so viel Judenhaß wie in Deutschland und kein Volk hat noch so viele Vorurtheile gegen Juden wie das deutsche; und so verfährt man in Deutschland gegen die deutschen Juden, die doch in vieler Beziehung unendlich höher stehen als die in den andern Ländern! Nirgends war die Lage der Juden eine so traurige und drückende als in den deutschen Ostseeprovinzen und wehe dem Juden, der bei uns eine Anstellung bei einer Behörde sucht, an deren Spitze ein Deutscher steht. Der frühere Chef des hiesigen Medicinaldepartements, ein Deutscher, hat gesagt: so lange er lebe, werde er keinem Juden eine Kronsstelle geben, er hat Wort gehalten; aber glücklicher Weise nur kurze Zeit, denn sein Nachfolger, ein honetter Russe, denkt und handelt anders. Viele jüdische Aerzte dienen in Kronshospitälern und als Militärärzte. Mir sind zwei Juden bekannt, die als Untersuchungsrichter angestellt sind, jetzt ein sehr ehrenvoller Vertrauensposten; Einen von diesen beiden kenne ich persönlich, ein noch ganz junger Mann. Im Justiz- Ministerium dient auch ein mir bekannter jüd. junger Mann, der Mitredacteur des Journals dieses Ministeriums ist und jetzt zum Mitglied der Commission zur Revision des großen Gesetzbuches (d. russ. Landrecht) ernannt wurde. Unlängst wurde ein Jude als Privatdoeent (ein solcher hungert hier nicht, sondern bekommt als Belohnung gegen 200 R. jährlich für jede wöchentliche Lection, für 3 — 4 wöchentliche Lectionen 600 — 800 R. jährlich) an der hiesigen Universität angestellt. Der Umstand, daß er ein Jude ist, wurde dabei gar nicht zur Sprache gebracht. Harkawi ist empfohlen worden zur ferneren Ausbildung auf Kosten der Regierung nach dem Auslande geschickt zu werden, um dann die Professur für die Geschichte der semitischen Völker einzunehmen. Die gehässige Stimmung, die sich in der letzten Zeit in manchen Journalen und in Regierungsmaßregeln in den südwestlichen, ehemals