Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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2 m Aus Briefen. Von Hrn. Dt. Köhler, Fürth, 15. März. Bei dieser Gelegenheit will ich Ihnen mittheilen, welchen Eindruck das Fürst'sche Werk auf mich machte, als ich es vor einigen Wochen durchblätterte. Schon bei der Ankündigung des Werkes mit dem ,wlzen Titel: ״Geschichte der hebräischen Litteratur" kam mir das Bedenken: Ist es wirklich schon Zeit eine Geschichte der hebr. Litteratur zu schreiben, nachdem die ganze biblische Wissenschuft noch kaum aus den Windeln gehoben und bisher in dem sehr bescheidenen Gewand einer ״kritisch-historischen Einleitung" einhergeschlichen ist. Wer heutzutage eine Litteraturgeschichte schreibt, muß doch die mustergiltigen ähnlichen Werke auf dem klassischen Litteraturgebiet zum Vorbild nehmen und darf sich die Mühe nicht verdrießen lassen in tiefe, schwerzugängliche Schachten hinabzusteigen, um drunten in der Tiefe die feinen Aederchen und Kanäle aufzuspüren, die unter mannigfachen Schichten geborgen zum sprudelnden Quell münden, der dann erst sichtbar wachsend zuletzt als mächtiger Strom daherbraust. Wird uns nun Herr Prof. Fürst an diese Uranfänge, an diese Quellen hinführen, diese dunklen Gebiete im Hintergrund uns erblicken oder ahnen lassen? Mit diesen Gedanken nahm ich das Buch zur Hand, aber schon in der Einleitung schien mir der Vers, nichts Neues zu versprechen, da er mehr einen Kreis von ״gebildeten" Lesern voraussetzt, die sich orien- Liren wollen, deren Gesichtskreis also nicht über das vor ihnen Liegende hinausgeht, denen man nicht sagen darf, daß hinter den hochragenden Bergen an des Horizontes Ende auch noch Berge und Thäler und Menschen darin sind, kurz denen man nichts Neues und zu Neuem Anregendes, sondern nur ״Sicheres" und Wiederholtgesagtes in vereinfachter Form und von verflachtem Inhalte sagen darf. Nun an solchen Schriftstellern mangelt es uns unter den jüdischen Gelehrten gerade nicht. Recht stutzig ward ich aber doch, als ich das Jnhaltsverzeichniß las und das Buch selbst durchblätterte. Alles nach Ewald'schem Muster und Ewald'scher Schablone zugeschnitten zu sehen, so daß ich hätte glauben können, den I. Band der Gesch. d. V. Jsr. vor mir zu haben. Und wie die Form so der ganze Inhalt des Buches, welches das Fünfbuch und Josua behandelt. Dieselben Quellen werden angenommen: ein Buch des Redlichen — ספר דזישר, eine Sammlung nationaler Gedichte und ״ein Buch der Kriege Jahwes" neben chronologischen