Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Von Hrn. Rabb. Hr. Grünebaum. 229 Kirche und namentlich dem heiligen Augustinus vor, daß sie alle Willenskraft aufgehoben" u. s. w. Nun habe ich zwar keine Gelegenheit gehabt, den ״heiligen Augustinus" selbst zu studiren. Allein in jeder christl. Dogmatik wird dieser Satz, so viel ich weiß, zweifellos hingestellt. Die römische Kirche hat zwar Augustinus Lehre vom völlig geknechteten Willen durch den Semipelagianismus zu mildern gesucht und nur eine durch die Erbsünde geschwächte, nicht völlig ausgehobene Willensfreiheit angenommen. Allein es ist bekannt, daß noch der Calvinismus die Aug. Lehre in ihrer äußersten Consequenz festhält, und wenn auch die lutherische Kirche nur eine bedingte praed. gelten läßt, so hat sie doch Luther selbst noch in seiner Schrift 016 servo arbitrio festgehalten. Johannes Gerhard (der Lutheraner) spricht sich in s. locis, wenn auch etwas ge- Wunden, doch folgendermaßen aus (106. XI. cap.’2, 21.): ״Si ergo quaeratur de illa libertate rectitudinis seu de öwcc^ist illa, ad alterutrum, bonum puto vel malum eligendum vel repudiandum aequaliter se habente, dicimus eam periisse. Homo enim male utens libero arbitrio et se perdidit et ipsum. Cum enim libero arbitrio peccaretur Victore peccato amissum est et liberum arbitrium, a quo enis quis directus est, kuic servus addictus est", verba sunt August, in Enchir. c. 30. Atque hoc respectu idem vocat ״arbitrium hominis non amplius liberum, sed servum" lib. 2. cont. Julian, etc. Ferner 23. Postquam enim per peceatum imago dei amissa est, simul etiam övvctpig illa bonum 61 igendi amissum est. Jedenfalls ist es klar, daß die ״Herren" des christl. Pilger über die praedestinatio weder etwas gehört noch gelesen haben, und daß nur die kühne Frechheit, mit welcher man über alles von jüdischer Seite Kommende den Stab zu brechen sich gewöhnt hat, dieses hochmüthige Absprechen dictiren konnte. Indessen dürfte der Verfasser des Buches im Hinblick auf die wahre Wuth, mit welcher man von ultramontan katholischer Seite über das Buch herfällt, zu einigem Stolze sich berechtigt fühlen. In manchen Kirchen hat man förmlich von dieser Seite gegen das Buch gepredigt, wie einst gegen Renan und die ״Gläubigen" davor gewarnt. So noch vor ganz kurzer Zeit in der katholischen Kirche zu ... in der Nähe von Landau, wie dies durch die unverdächtigsten Zeugen erhärtet ist.