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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 3 (1868) · p. Seite 220

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
3 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 220 (sequence 60)
Language
German
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220 Recensionen. 5. Gr ätz' Geschichte. Die Grätz'sche Geschichte geht ihrer Beendigung entgegen; ein zehnter neuerdings erschienener Band behandelt die Zeit ״von der dauernden Ansiedelung der Marranen in Holland (1618) bis zum Beginne der Mendessohnischen Zeit (1760)", und so dürfen wir mit dem nächsten Bande den Schluß des Werkes erwarten, dem dann freilich noch der Anfang fehlt. Auch der neue Band theilt Vorzüge und Mängel seiner Vorgänger. Reiches Material, das bis jetzt zum Theile unbenützt geblieben, zuweilen gelungene Combination fördert den Einblick in die Zeit; aber nicht minder stört nicht selten das einseitige Urtheil, der höhere Geschichtsblick fehlt, der die Zeiten in ihrer innern Folge zu erkennen weiß. Dieser Band leidet besonders an ermüdender Breite, weil Text und Noten sich sehr viel wiederholen, und indem Zeiten der Zersetzung, man möchte sagen des aufgelösten Schlammes behandelt werden, fehlt eine jede geistige Er- Hebung in der Darstellung. Ueber Schabbathai Zebi und Jonathan Eybenschütz wird viel Neues zusammentragen, allein man kann sich durch Hn. Gr. doch nicht die Zeit erklären, die solche willig verehrte Häupter entstehen lassen konnte. Wenn man in Eybenschütz einerseits einen für seine Zeit hochbegabten und mit allen Mitteln damaliger Gelehrsamkeit ausgerüsteten Mann anerkennen muß und ihn doch andrerseits mit allen damaligen Schwärmern engverbündet steht: so muß daran der Charakter der Zeit gemessen werden, es muß danach das Gehör, das ein Schabbathai Zebi, ein Frank gefunden, erklärt und ein Urtheil über die wilde Gährung, in die alle trüben überkommenen Elemente versetzt waren, festgestellt werden. Der Proceß ist jedoch mit der vollzogenen Achterklärung über die Kabbalah und den Sohar noch keinesweges beendigt. Der vertrocknete Thalmudismus, dem die Kabbalah eine Verklärung bringen wollte, ist noch immer als ein todtes Residuum vorhanden, und die Geschichte muß durch den Rationalismus hindurch, der ihn blos negirt, zum Kriticismus fortschreiten, der ihn erklärt und auflöst. Und hier stehn wir noch mitten inne. Die nicht genügende Erkenntniß der Zeit hat bei Hn. Gr. das Urtheil getrübt über Männer, die, an sich tüchtig, an der Krankheit der Zeit untergegangen sind. Was Herr Gr. über Leon Modena und Joseph Delmedigo sagt, ist durchaus schief und nicht im Stande die durch mich gewonnenen Urtheile auf den Kopf zu stellen. Wenn

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