Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Ettlingen Gutachten. 219 schnittenen, die meine SabbaLhe wahren u. s. w. Und die Söhne der Fremden, die sich dem Ewigen anschließen u. s. w., jeder der den Sabbat wahret, daß er ihn nicht entweihe u. s. w. ich werde sie bringen nach meinem heiligen Berge — denn mein Haus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker." Der Pseudo-Jesaias oder die Propheten überhaupt haben jedoch Wohl wegen ihrer reformistischen Tendenzen bei dem Vers, keine ausschließliche Autorität und er sucht lieber aus thalmudischen Prämissen zu beweisen, daß ein solcher Proselyt die Sabbatruhe halten müsse; er schlägt jedoch ein sehr sinniges Mittel vor, wie derselbe beiden diametral entgegengesetzten Vorschriften genügen könnte. Arbeiten, sagt er, heiße nach der sinaitischen Tradition ohne Rücksicht auf eine anstrengende Kraftthätigkeit nur 39 Verrichtungen. Wer daher z. B. in einem abgeschlossenen Raume die schwersten Lasten den ganzen Tag hin und her trägt, hat die Sabbatruhe nicht verletzt, Wohl aber derjenige, der aus einem abgeschlossenen in einen nicht abgeschlossenen Raum auch nur ein leichtes Taschentuch trägt. Den Nichtjuden gegenüber heißt eine Arbeit in des Wortes gewöhnlicher Bedeutung eine Kraftanstrengung. In vorliegendem Falle solle daher der Proselyt in einem abgeschlossenen Raume sich mit Lastentragen abmühen, so habe er als Jude kein Sabbatgesetz übertreten und als Nichtjude doch keine ihm verbotne Sabbatruhe gehalten. Wir hätten n.ch manche zeitgemäße theoretische Forschungen des Vrfs. vorzuführen, wie Z. B.: ob man ein Horn, das nur einige Zoll groß ist, zum Schafarblasen benutzen dürfe; ob der Genuß eines rohen Fleischstückchens von der Größe einer Olive am Versöhnungstag straffällig sei, und dgl. m., allein das Mitgetheilte dünkt uns hinreichend, um zu zeigen, wie man im 19. Jahrhundert leben und im 16. Jhd. denken und schreiben kann. Zum Schlüsse erlauben wir uns an die Besitzer dieser Gutachten die Bitte zu richten, die Nr. 85 mit russischer Schwärze zu überziehen. Dies die kleinste Sühne, welche der Geist der Humanität von dem mittelalterlichen Fanatismus im modernen Gewand verlangen darf. R. Kirchheim.