Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Ettlmger: Gutachten. 217 in einer Druckerei, in welcher Juden am Sabbat beschäftigt sind, arbeiten zu lassen; erlaubt dem jüdischen Arzte Blutsverwandte zu entbinden; verbietet zwar die Sektion einer Leiche, erlaubt jedoch das Magnetisiren, da es nicht gewiß sei, ob hier Teufelsspuk oder nur geheime Naturkräste wirken. Mit Entschiedenheit verwirft er auch die Behauptung des großen Cultivators Palästinas, der unseren Zeitgenossen die Verpflichtung auflegen will, in Jerusalem einen Altar bauen zu lassen und daselbst zum Heil der Menschheit der Lämmer Blut zu verspritzen. Dem nichtjüdischen Sklaven ertheilt er auch das humane Menschenrecht, daß sein Leichnam verunreinige. Diesen wichtigen bahnbrechenden Erleichterungen stehen dagegen fanatisch gewürzte Erschwerungen entgegen, die ihre Be> rechtigung zumeist nur in der Schablone haben: alles Usuelle hat Gesetzeskraft. So motivirt er mit großer Weitschweifigkeit, daß das Kadisch nicht von allen Leidtragenden unisono rezitirt werden dürfe; daß bei der Beschneidung zur Priah das von einem französischen Arzte erfundene Instrument nicht gebraucht werden dürfe, weil in einem anonymen Midrasch gesagt wird: die Nägel werden zur Priah benutzt. Das Aussaugen der Beschneidungswunde (Meziza), welches der Thalmud nur als Heilmittel anempfiehlt, von der Sanitätspolizer in vielen deutschen Staaten aber als nachtheilig verboten wuroe, findet in ihm einen fanatischen Vertheidiger, weil man doch nicht wissen kann, ob nicht schon Moses solches eingeführt habe. Die Behauptung der Aerzte, daß die Unterlassung der Meziza nicht nachtheilig für die Heilung der Wunde sei, sei so wenig maßgebend, wie so manche andere ihrer dem Thalmud widersprechenden Ansichten. Behaupten sie doch auch, daß die Dauer einer Schwangerschaft keine 13 Monate sein könne, während doch der Talmud bezeugt, daß solches möglich sei. Der große Naturkundige Jonatan Eybenschütz habe schon gesagt: ״Beachte nicht die Behauptung der Aerzte, daß eine unbefleckte Empfüngniß אבלבנמי eine Unmöglichkeit sei; denn diese in ihrem verstockten Sinne und in ihrer Geistesarmuth halten alles für unmöglich, was ihr beschränkter Verstand nicht fassen und begreifen kann und wo sie wie hier dem Thalmud widersprechen, sind sie in Jrrthum befangen. Können sie doch kaum die kleinste Krankheit heilen, während unsere Alten für die gefährlichsten die erprobtesten Heilmittel hatten, die ihnen in dem Buche der Heilmittel überliefert worden, das aber der König Chiskija vernichtete, weil er fürchtete, das Vertrauen auf Gott würde