Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Recenstonen. stammen, in welcher das Samaritanische eine lebende Sprache war, und dürfen sie deshalb nur mit den vorsichtigsten Vorbehalten benutzt werden. Freilich gäbe uns auch ein ganz reiner Text des samaritanischen Targum's durchaus kein ungetrübtes Bid der wirklichen Sprache: die wörtliche Uebersetzung selbst steht dem schon an sich entgegen, ganz besonders aber noch das unglückliche Streben des Uebersetzers, durch Einmischung hebräischer Wortformen seine Sprache zu veredeln. Hoffentlich gelingt es Hrn. Kohn, durch die Beschaffung neuen Materials oder doch die bessere Benutzung des alten einen befriedigenden Text zu erhalten. Die Herausgabe eines solchen wäre allerdings ein großes Verdienst um die Wissenschaft.ג) Kiel. Th. Nöldeke. Z. Jüdische Dichtungen. Es ist naturgemäß, daß die Muse des Juden Empfindungen weiht, seine geschichtlichen Erinnerungen dichterisch anhaucht. Seine ganze Anschauungsweise ist eine gehobene ideale, seine ganze Geschichte ein wunderbares Epos, vielfach von ergreifender tragischer Wirkung, durchgehends die Bezeugung eines großartig ebenso unternehmenden wie duldenden Muthes, und von zarter lyrischer Em- »pfindung erfüllt. Dennoch glaube ich kaum, daß bis jetzt der rechte Dichter sich gefunden für diesen reichen und dankbaren Stoff. Der christliche theilnehmende Dichter stimmt immer den Ton der Elegie an über eine untergegangene Herrlichkeit, über zerknitterte, mißhandelte Herzen und Geister, ohne daß er die markige Kraft, die nicht blos in der Vergangenheit, sondern auch gegenwärtig noch in Juden und Judenthum lebendig ist, selbst ahnt und noch weniger zum Ausdrucke gelangen läßt. Der Jude ist selten unbefangen genug, um rein menschlich den großartigen Verlauf zur Darstellung zu bringen, und seine besten dichterischen Klänge lassen zu sehr das Weh durchzittern, als daß sie von der ganzen Hoheit des Berufes getragen wären. Dennoch sind die poetischen Gaben, wenn auch nicht allen Anforderungen entsprechend, zur Erhebung des Gemüthes eine willkommene Erscheinung. *) Ich habe mich in meinen Zusätzen auf das von Hrn. Prof. Nöldeke Augeregte beschränkt; sonstige Bemerkungen behalte ich mir für einen auderu Ort vor. G.