Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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V. ©liefet und Lazarus. 199 so bleibt er uns doch nur ein treuer Knecht, der das volle Vertrauen seines Herrn besaß und diesem auch durch Klugheit und Dienstbeflissenheit entsprach, sonst erfahren wir Nichts von ihm. — Anders gestaltet es sich mit ihm in der thalmudischen Sage. Es wird ihm dort auf der einen Seite der Typus eines, manchmal auch recht Pfiffigen, Knechts, die derbe Natur des gemeinen Mannes ausgeprägt. Er schwatzt gern und fragt neugierig über Allerlei; so richtet er an Sem die Frage, wie sie sich denn beim Austritt aus der Arche mit all den nun befreiten Thieren zurecht gefunden, wie sie gegen menschliche Widersacher sich später vertheidigt hätten (Sanhdrin 108 b). Er kommt einige Male mit den gewaltthätigen Sodomiten in Berührung, weiß aber schon mit ihnen fertig zu werden. Diese hatten die Sitte, einen Gast bluti-g zu schlagen und dann dafür als für einen heilsamen Aderlaß noch eine Belohnung zu verlangen. So thaten sie nun auch dem Elieser und verlangten ein Gleiches von ihm. Er weigerte sich, ward vor den Richter gebracht, und als dieser den sodomitischen Brauch als rechtskräftig erklärte, schlug E. den Richter gleichfalls blutig und meinte, er solle nun den Lohn, den er ihm (E.) für den Aderlaß schulde, dem Manne abtragen, von dem er selbst (E.) geschlagen worden. Sie hatten ferner für Fremde ein (Prokrustes-) Bett; dem, welcher dessen Maaß überschritt, wurde der Ueberschuß abgehauen, der Kurze wurde ausgereckt, um es ganz auszufüllen. Als Elieser dorthin kam, bot man ihm auch an sich ins Bett zu legen; er aber lehnte es ab unter dem Vorgeben, er habe beim Tode seines Vaters ein Gelübde gethan, niemals mehr in einem Bette zu liegen. — Wer einen Fremden zu einem -Hochzeitsfeste einlud, mußte zur Strafe für diese Gastfreundlichkeit sein Oberkleid ablegen. Einst kam Glieser zu einem solchen Festmahle, setzte sich ganz unten hin und erhielt kein Stück Brod, Wohl aber richtete sein Nachbar die Frage an ihn, wer ihn denn eingeladen? Du selbst, erwiderte El., und der Mann, in der Angst, es möge ruchbar und geglaubt werden, ließ sein Kleid zurück und verließ das Fest. So that El. mit Einem nach dem Andern, bis sie alle eilig das Fest verlassen, er allein blieb und weidlich seinen Appetit stillte (das. 109 b). Das sind so recht derbe Knechtesspäße, ohne daß er sich dabei einer Unbilligkeit schuldig gemacht hätte. Vielmehr bleibt er der treue Knecht Abraham's auch im Jenseits. In der seltsamen Geschichte von einem R. Banaah, der die Gräber der Alten besucht, findet der-