Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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197 V. ©tiefer und Lazarus. während ein armer Kranker, mit Namen Lazarus, bei Lebzeiten vor der Thüre des Reichen sich von den Brosamen, die von dessen Tische fielen, nähren wollte und von den Hunden belästigt wurde, jedoch nach dem Tode von den Engeln in Abraham's Schoß getragen ward. Auf den Hülferuf des Reichen, daß Abraham den Lazarus senden solle, um ihn mit seinem in Wasser getauchten Finger zu kühlen, erwidert Abr., der Reiche habe während des Lebens Gutes empfangen, Lazarus aber Böses, darum werde dieser jetzt getröstet, jener gepeinigt. — Dieser Lazarus der Parabel, sagen nun die Kritiker, wurde im Munde des Volkes zu einer geschichtlichen Person, und allmälig wurde aus ihm ein wunderbar Auferstandener, durch Jesus Erweckter. Sie können, wie mich dünkt, die Gestaltung der Sage noch näher durch folgenden Umstand begründen. Abraham sagt von Lazarus, er werde jetzt ״getröstet" (naQttxttXenai); das ist das hebräische נדזם, nicham. Nun aber heißt das entsprechende nachm im Aramäischen vorzugsweise: die jenseitigen Tröstungen empfangen, im Syrischen ausschließlich: auferstehen; dieses Wort nun ward in der aramäischen Volkssprache in dem Satze gebraucht, wie es wirklich in der jerusalemisch-syrischen Uebersetzung (bei Miniscalchi - Erizzo S. 185) angewendet wird, ursprünglich mit der Bedeutung ״belohnt werden im Jenseits", allmälig aber sich umwandelnd in die von ״auferstehen", so auch einen neuen Sinn darbietend und die Geschichte von der wunderbaren Auferstehung erzeugend. Allein die Vertheidiger Weichen auch diesem Geschosse nicht, suchen es vielmehr mit vielem Geschick zu einer Schutzwaffe für sich umzugestalten. Wohl, sagen sie, mag ein Ideen-Zusammenhang zwischen dem auferstandenen Lazarus und dem der Parabel vor- Händen sein, aber Dies spricht gerade für die Geschichtlichkeit des ersteren. Denn so oft auch Jesus sonst in seinen Parabeln Personen vorführt, so werden sie doch nie mit bestimmten Namen belegt; sie werden nach Stellung und Eigenschaften bezeichnet, je nachdem es der Zweck der Parabel erfordert, sie aber mit einem Eigennamen zu belegen, der doch gar nichts zur Sache thut, fand Jesus sonst niemals Veranlassung.' Warum nun gerade bei diesem kranken Armen? ist es nicht auch bei ihm ganz gleichgültig, ob er Lazarus oder anders geheißen? Allein Jesus schwebte eben, als er die Parabel vortrug , das Bild des von ihm erweckten Lazarus vor, und so wandte er seinen Namen für dieselbe an. Also der auf-