Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2420973-2420992-2420995--1797-2422884- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i. ״Völker" und ״völkisch". 183 nichtjüdisch, sondern auch nichtchristlich — war, fielen beide Begriffe in dem Worte zusammen; als jedoch das Volk in seiner Gesammtheit zum Christenthum sich bekannte, da konnte natürlich ״deutsch" nicht mehr auch heidnisch heißen, es beschränkte sich nun auf die Bedeutung des Volkes und des hem Volke Angehörigen und konnte nur noch hie und da den Nebenbegriff des gemeinen Volkes, niemals aber den des Heidenthums einschließen. Demnach ist das Wort auch weniger geeignet als Beispiel für eine künstliche Bildung im Griechischen, Lateinischen und Deutschen durch Uebersetzung aus dem Hebräischen, vielmehr ist es die naturgemäße Aufnahme einer Nebenbedeutung für das Wort ״Volk" in jenen Sprachen unter denselben geschichtlichen Bedingungen wie im Hebräischen, ohne daß in Abrede gestellt werden soll, daß der Sprachgebrauch in diesem den Antrieb zur Umbildung der Bedeutung auch in den andern Sprachen gegeben habe. Diese feine Nüancirung in der verschiedenen Auffassung und Erklärung des Sprachgebrauchs ist von einer großen Bedeutung für die ganze Anschaung der Sprachentwickelung. Wir sehen nämlich auch in diesem, von uns aus andern Gründen herausgegriffenen vereinzelten Beispiele, daß im Gegensätze zu der Ansicht des Verfs. die Sprache nicht dem Spiele des Zufalles dient, nicht einem blinden mechanischen Treiben folgt, und etwa gedankenlos übersetzend aufnimmt, was ihrer Eigenthümlichkeit eigentlich fremd ist, daß sie vielmehr mit sehr klarem Bewußtsein, wenigstens mit einem sehr sichern Tacte, mit großer Sinnigkeit verfährt. Jedoch ich will mich nicht zum Eingehn in die allgemeinen Anschauungen verlocken lassen und komme auf den Umstand, der die nächste Veranlassung zu dieser ganzen Besprechung bildet. Der Verf. fährt nämlich fort: ״Eine ganz genaue, zu wechselseitiger Aufklärung sehr geeignete Analogie bietet der Koran. Muhammed nennt sich annabijja 'I-ummijja, d. h. nicht einen ungelehrten Propheten (wie die Araber verstehen) auch nicht ״einen aus dem Volke" (A. Geiger, was hat Mohammed u. s. w. S. 27), sondern von dem hebräischen ummot, einen aus den Völkern, einen heidnischen". Ich muß zuerst meine a. a. O. gegebene Erklärung richtig hinstellen, bevor eine Auseinandersetzung mit dem Verf. möglich ist. Ich bestreite daselbst die bis dahin alleinherrschende Uebersetzung des uinmMn mit ungelehrt, unwissend und sage: ״dieses ununijjon will aber nichts Anderes sagen, als was Moh. an andern Orten von sich aussagt,