Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 6 (1868)
- Issue
- 3 (1868)
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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182 III. Zu L. Geiger's: Ursprung der Sprache׳ seine volle geschichtliche Erklärung hat, geht klar hervor, daß in goi und ,am nicht sowohl die Fremdheit des Volkes, sondern die Masse der Völker gegenüber dem einzelnen und ebenso die Menge der Bewohner gegenüber den von diesen sich absondernden Individuen betont wird, daher die Heiden im Gegensätze zu den Juden, das allgemeine weniger achtsame jüdische Volk im Gegensätze zu den strengeren Pharisäergenossen, dann auch der einzelne Heide und der Einzelne aus der Masse. ״Diesem Begriffe — fährt der Vers, fort — entspricht das neutestamentalische e&vixog, gentilis. Der Begriff heidnisch, paganus, ist noch jünger". So wird denn der Ausdruck 6&ן7ע, heißt es weiter, — von Paulus für die aus den Heiden hervorgehenden Christen im Gegensätze zu den Judenchristen und i&vutSg von heidnischem Leben im Gegensätze zu der Beobachtung der jüdischen Satzungen gebraucht, und gerade hier bedient sich Ulfilas des Ausdrucks thiudisko und thiudos für heidnisch und Heiden, d. h. völkisch und Völker. ״Man sieht, daß wir es hier ... mit einem Hebraismus zu thun haben: deutsch bedeutet also nichtjüdisch, heidenchristlich nnd wurde umgekehrt wie hellenisch (und bei den Syrern ״aramäisch") zur Sonderbezeichnung. In der Folge verband sich damit der Nebenbegriff vulgo, vulgaris, von der Sprache". Das ist richtig, wenn es schärfer erfaßt wird. Abgesehen davon daß hier auf das Heiden christliche nicht der Ton gelegt werden darf, sondern ausschließlich auf das Heidnische, insofern Paulus dasselbe für die aus den Heiden hervorgegangenen Christen geduldet, ja anerkannt wissen will, ist überhaupt hervorzuheben, daß in diesen Ausdrücken immer der Begriff der Volksgesammtheit gegenüber den Einzelnen oder der kleinen Genossenschaft, die eine Besonderheit für sich bildet, vorherrschend ist; e&vrj, M&vixog, gentes, gentilis, heißen nur solange Heiden und heidnisch als die große Gesammtheit nicht allein nichtjüdisch, sondern auch nichtchristlich ist; sobald aber das Volk in seiner Mehrheit oder officiell christlich wird, verliert das Wort diesen Begriff, denn ״die Völker" sind eben keine Heiden mehr und ״völkisch" ist daher nicht mehr heidnisch. Nur etwa noch das zurückgebliebene Landvolk beharrt träge und hartnäckig auf der alten heidnischen Sitte, und deßhalb heißt von nun an der Heide paganus, der Dörfler. Ebenso verhält es sich nun mit ״deutsch", was auch Volk und den Mann aus dem Volke bezeichnet und solange jenes in seiner großen Masse heidnisch — nicht etwa