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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1868-01-01 · 3 (1868) · p. Seite 181

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
6 (1868)
Issue
3 (1868)
Date
1868-01-01
Page
Seite 181 (sequence 21)
Language
German
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1. ״Völker" und ״völkisch". 181 nachbiblischen Zeit wurde sodann ״die Völker", %&vr\, gentes, auch ohne vorausgehenden Gegensatz ebenso gebraucht". Wenn nun, wie nachgewiesen, im Althebräischen eine Nebeneinanderstellung von ״Israel und die Völker" nicht vorkommt, der begriffliche Gegensatz gegen Israel in ״die Völker" dadurch nicht veranlaßt wird, so wäre der Gebrauch des Letzteren schlechtweg für Nichtjuden ״in der nachbiblischen Zeit" nicht geschichtlich fortgeleitet und nicht motivirt. Allein der Gebrauch ist, wie schon Urschrift S. 150 f. entwickelt ist, bereits spätbiblisch und durch die Zeitverhältnisse wohlbegründet. Als die Judäer von Babylonien zurückkehrten, fanden sie ihr altes Heimathland von einer unterdeß dort angesiedelten fremden Bevölkerung besetzt, die hauptsächlich aus Bestandtheilen der Ammoniter, Moabiter, Philister u. s. w. zusammengesetzt war. Sie bildeten nun die goje oder ,amme, die Völker des Landes (der Länder), die überwiegende in Besitz befindliche Bevölkerung, gegen die sich die Judäer in Glauben und Sitte wie im Ansprüche auf die Berechtigung am Lande im entschiedensten Gegensätze fühlten. Daher heißt in Esra - Nehemia, auch zuweilen in der Chronik (und Esther) die nichtjüdische Bevölkerung Palästinas goje oder ,amme haarez oder haarazoth. Hier nun hat sich der Gegensatz in der Anschauung wie im Ausdrucke zugespitzt und findet seine Erklärung in den geschichtlichen Ereignissen. Aus dieser Zeit hat sich nun die Bedeutung in das Nachbiblische fortgesetzt und der Ausdruck dort eine größere Bestimmtheit erlangt. Gojim schlechtweg hießen nun die Nichtjuden, 'am haarez, ״Volk des Landes" hieß der, welcher zwar zu Israel gehörte, aber nicht ganz den jüdischen Anforderungen genügte, nicht die volle Strenge in *der Erfüllung der Pflichten beobachtete, und im Ganzen richtig ist, was der Verf. weiter sagt: ״Im Späthebräischen Hier jedoch würde der Ausdruck ״nachbiblisch" besser an seiner Stelle sein, da im Spätbiblischen dieser Gebrauch noch nicht vorherrscht^ wurde der Plural so aufgefaßt, als beziehe er sich auf mehrere, einem andern Volke ungehörige, einzelne Jndividuen, und in diesem Sinne sogar ein Singular davon gebildet". Genauer aufgefaßt, verhält es sich so: gojim sind die ״Völker", aber goi ist nicht das einzelne Volk, sondern der Einzelne aus den Völkern, also ein Nichtjude, wie 'am haarez — als Singular von 'amme haarez — den Idioten und wenig Skrupulösen unter den Juden selbst bedeutet. Aus diesem Gebrauche, der, wie an der angezogenen Stelle der Urschrift umständlicher nachgewiesen ist,

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